Sonntag, 21. Oktober 2018

Fokus Medizin

iStock/JacobH

02.02.2018
Von: CB
Artikel Nummer: 26330
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Subklinischer Jodmangel – supplementieren oder nicht?

Die Jodversorgung in der Schweiz hat sich tendenziell verschlechtert. Leicht unterversorgt sind insbesondere schwangere Frauen. Ob sie ein Jod-Supplement erhalten sollen, ist unklar.


Am Ostschweizer Symposium für praktische Gynäkologie und Geburtshilfe (OSGG) schlug die Sozial- und Präventivmedizinerin Dr. Katharina Quack Lötscher von der Klinik für Geburtshilfe am UniversitätsSpital Zürich ein pragmatisches Vorgehen vor.

Noch vor 100 Jahren hatten 90 % der Bevölkerung in den Bergtälern in der Schweiz einen Kropf. Mit der landesweiten Einführung von jodiertem Kochsalz 1922 nahmen die Strumen rasant ab. In den letzten Jahren scheint sich jedoch die Jodversorgung – insbesondere bei Schwangeren – tendenziell wieder etwas verschlechtert zu haben. So zeigte eine 2016 durchgeführte Untersuchung der ETH bei 359 Schwangeren median eine zu geringe Jodkonzentration im Urin (140 µg/l anstelle 150 µg/l). «Die gemessenen Werte weisen auf eine leichte Unterversorgung und eine subklinische Hypothyreose in der Population der Schwangeren hin», so Dr. Quack Lötscher. «Klinisch wären nur knapp 1 % dieser Frauen als hypothyreoid aufgefallen.»

 

Hauptquellen sind jodiertes Salz, Brot und Milch

 

Die ETH-Untersuchung zeigte ausserdem durchschnittlich eine leichte Jod-Unterversorgung bei nichtschwangeren Frauen im reproduktiven Alter (88 µg/l anstatt 100 µg/l). «Warum dies so ist, ist unklar, denn der Grossteil dieser Frauen verwendet zu Hause jodiertes Kochsalz – die wichtigste Jodquelle in der Schweiz», so die Referentin. Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass diese Frauen häufig auswärts essen und Industrieprodukte konsumieren, die nicht mit jodiertem Salz gewürzt seien. Auch deckt die Verwendung von jodiertem Kochsalz nur gerade 25 % des Tagesbedarfs. Die restlichen 75 % kommen aus verarbeiteten Lebensmitteln, hauptsächlich aus kommerziell hergestelltem Brot sowie Milch, Eiern und Fisch. Für Schwangere empfiehlt die WHO eine tägliche Jodzufuhr von 250 µg/Tag, die eidgenössische Ernährungskommission 230 µg/Tag.

 

Nutzen einer Supplementation bleibt unklar

 

Ob Schwangere in der Schweiz nun wegen der leichten Unterversorgung Jodsupplemente erhalten sollten, ist gemäss Dr. Quack Lötscher unklar. Zwar besteht ein Zusammenhang zwischen einem subklinischen Mangel und einem reduzierten Plazentagewicht, einem geringeren kindlichen Kopfumfang und Störungen kognitiver Funktionen wie ADHS. Doch ist der Nutzen einer Supplementation bei einem subklinischen Mangel nicht bewiesen. So zeigte eine weitere, in Thailand und Indien durchgeführte Studie der ETH, dass sich die Jodsupplementation bei Schwangeren mit subklinischem Jodmangel nicht auf den IQ der Kinder auswirkt. «In Deutschland allerdings erhalten heute alle Frauen während der Schwangerschaft 150 µg Jod täglich verschrieben», so die Referentin. Diese Menge wird vom deutschen Bundesamt für Risikobewertung als sicher eingestuft; das Risiko, Schilddrüsenerkrankungen zu verschlechtern oder gar jodassoziierte Folgeerkrankungen auszulösen, ist darunter nicht erhöht.

«Unabhängig von der Frage, ob die generelle Jod-Supplementierung auch in der Schweiz sinnvoll wäre, kann eine solche hierzulande derzeit nicht eingeführt werden», betonte Dr. Quack Lötscher. Denn auf dem hiesigen Markt gibt es momentan kein Supplement, das nur Jod enthält. Alternativ könnte den Schwangeren ein Multivitaminpräparat mit Jod abgegeben werden. Die Expertin rät, allen Schwangeren in der Praxis die Verwendung von jodiertem Kochsalz zu empfehlen. Neben einer sorgfältigen Anamnese sei es ausserdem wichtig, die Schilddrüse der Frauen abzutasten und die Schilddrüsenwerte zu kontrollieren. Im ersten Trimester sollte der TSH-Wert bei Schwangeren zwischen 0,1 und 2,5 mU/l liegen, im zweiten und dritten Trimenon bis 3,0 mU/l. «Bei einer Hypothyreose sollte zudem Rücksprache mit einem Endokrinologen hinsichtlich einer Abklärung von freiem T4 und Thyreoperoxidase-Antikörpern gehalten und allenfalls eine Schilddrüsenhormon-Ersatztherapie in Erwägung gezogen werden», führte die Expertin weiter aus.

 

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