Sonntag, 21. Oktober 2018

Fokus Medizin

iStock/VarvaraShu

07.05.2018
Von: bk
Artikel Nummer: 26382
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Stille epileptische Anfälle hörbar gemacht

Stolpernde Herzen lassen sich leicht abhören, stolpernde Hirne bislang nicht. Ein Synthesizer-Programm schafft es jetzt, Hirnwellen in akustische Signale umzuwandeln.


Standardmässig erfolgt die Dia­gnostik bei Patienten mit Bewusstseinsstörungen und/oder Verdacht auf subklinische Anfälle ohne generalisierte Krämpfe mittels EEG – idealerweise zeitnah abgeleitet und interpretiert, vor allem, um einen nichtkonvulsiven Status epilepticus rechtzeitig zu erkennen. In der Praxis vergehen allerdings durchaus auch einmal mehrere Stunden, bis ein Experte sich die Hirnwellen angeschaut hat.

Das brachte den musikbegeisterten Professor Dr. Josef Parvizi­, Neurologe am Stanford University Medical Center, auf die Idee, die rhythmisch fluktuierenden EEG-Wellen in akustische Signale umzuwandeln. Mithilfe eines Musikprofessors und IT-versierter Tontechniker gelang dann tatsächlich eine «Sonifikation» von EEG-Wellen. Ihr typischer Klang und ihre Rhythmik im stillen Anfall lassen sich selbst bei nur kurzem Hören auch von untrainiertem medizinischem Personal identifizieren.

In einer kleinen monozentrischen Proof-of-Concept-Studie untersuchte das Team aus Neurologen und Akustikexperten die Tauglichkeit ihres «Hirnstethoskops» an 84 ausgewählten EEGs. Medizinstudenten und Krankenschwestern sollten anhand von 15-Sekunden-Sequenzen der geräuschtransformierten Wellen stille Anfälle von normaler Hirnaktivität unterscheiden. Zur Kontrolle werteten Fachärzte und Medizinstudenten die EEGs in klassischer Weise aus.

 

Befund per Audio deckte sich zu 95 % mit dem per Grafik

 

Das Ergebnis erstaunt: In rund 95% der Fälle deckte sich der Befund per Audio-EEG durch Nicht-Experten mit der Diagnose per EEG-Wellen-Darstellung. An Sensitivität und Spezifität muss zwar noch etwas gefeilt werden, dennoch eignet sich das Audio-EEG theoretisch durchaus als schnell verfügbares Screening-In­strument für nichtkonvulsive Anfälle, schreiben die Autoren.

 

 

Parvizi J et al. Epilepsia 2018; 59: 877–884.

 

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