Samstag, 25. November 2017

Fokus Medizin

iStock/InnaKalyuzhina

01.11.2017
Von: thie
Artikel Nummer: 26280
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Mehr Bewegung für den Diabetes Typ 1!

Diabetologen neigen dazu, nur ihren Patienten mit Typ-2-Diabetes mehr Bewegung zu empfehlen. Dabei profitieren auch Menschen mit Typ-1-Diabetes von sportlicher Betätigung. Wie aktiv diese Patientengruppe tatsächlich ist, wurde nun in der winMove-Studie untersucht.


Die Ergebnisse der winMove-Studie1, an der deutschlandweit 34 Diabetesschwerpunktpraxen mit durchschnittlich je 110 Patienten teilgenommen haben, präsentierte Dr. Meinolf Behrens, Diabeteszentrum Minden. Insgesamt konnten 3755 Fragebogen von Patienten mit Typ-1-Diabetes ausgewertet werden.

Als Vergleich zogen die Kollegen die DEGS1-Studie heran, die die Aktivitätslevel von Erwachsenen in Deutschland untersuchte. Der DEGS1-Studie zufolge gelingt es 80% der Erwachsenen in Deutschland nicht, die von der WHO empfohlene Mindestaktivitätszeit von 2,5 Stunden pro Woche in mässig anstrengender Intensität zu erreichen.

 

Die wenigsten verzichten aus Angst vor Hypoglykämien

 

Wie die winMove-Studie zeigt, scheinen Menschen mit Typ-1-Diabetes etwas sportlicher zu sein als die Allgemeinbevölkerung: Bei ihnen kommen immerhin knapp 30 % für 2,5 Stunden pro Woche ins Schwitzen – Männer etwas häufiger als Frauen. Dies darf dennoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass damit auch unter den Typ-1-Diabetes-Patienten gut 70 % Sportmuffel sind. «Interessant war, dass die Angst vor Hypoglykämien keine grosse Barriere darstellt», berichtete Dr. Behrens mit Blick auf die Daten.

Laut winMove-Daten verzichten nämlich nur gut 10 % aus Sorge vor Hypoglykämien auf Sport. Die meisten gaben an, keine Zeit für Sport (46,0 %) oder kein Interesse (27,1 %) zu haben. Gesundheitliche Gründe mit Bezug zum Typ-1-Diabetes sind für 9,9 % Grund für den Sportverzicht, gesundheitliche Gründe ohne Bezug zum Typ-1-Diabetes spielen mit 22,9 % eine deutlich grössere Rolle.

Dr. Behrens animierte seine Kollegen, sowohl Patienten mit Typ-2- als auch mit Typ-1-Diabetes noch stärker zu Sport und Bewegung zu motivieren. «Wir alle wissen, dass Bewegung das Krebsrisiko und auch die Gefahr von Herz-Kreislauf-Erkrankungen senkt.» Allerdings sei die von der WHO empfohlene Mindestaktivitätszeit von 2,5 Stunden pro Woche bei Weitem nicht ausreichend. «Um wirklich grosse präventive Effekte zu erzielen, ist deutlich mehr Bewegung erforderlich», sagte Dr. Behrens. Sinnvoll wären eigentlich 40 MET (metabolisches Äquivalent) pro Woche, «das entspricht also zwölfmal der Distanz des DDG-Diabeteslaufs von fünf Kilometern, wie er hier beim Kongress angeboten wird.»

 

1. Behrens M et al. Diabetes Stoffw Herz 2017; 26: 65–73.

 

Diabetes Kongress 2017

 

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