Dienstag, 22. Mai 2018

Fokus Medizin

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14.05.2018
Von: mic
Artikel Nummer: 26384
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Inzest erhöht Risiko für psychiatrische Erkrankungen

Die Wahrscheinlichkeit für ein rezessives Erbleiden steht und fällt mit der Enge der Verwandtschaftsbeziehung zwischen den Eltern. Ähnliches gilt auch für psychische Krankheiten. Das absolute Risiko für Kinder von Cousins und Cousinen bleibt jedoch gering.


In China will man nichts riskieren: Eheschliessungen zwischen Cousins und Cousinen sind dort schlichtweg verboten. Ähnliches gilt auch für die USA, schliesslich teilen die Partner etwa 1/16 ihrer Gene. Ob dies tatsächlich das Risiko für Fehlbildungen oder Tod verdoppelt und Krebs, Herzleiden und Alzheimer wahrscheinlich macht – wie manche Studien nahelegen –, bleibt dennoch umstritten. Denn es gibt auch andere Daten. Wie sieht es bei psychischen Erkrankungen aus?

Das Wissenschaftlerteam um Dr. Aideen­ Maguire­, Center for Public Health, Queen‘s University Belfast, hat nun versucht, für mehr Klarheit zu sorgen.1 In den Daten nordirischer Geburten zwischen 1971 und 1986 von 363 960 Kindern entdeckten sie 609 Zöglinge (0,2 %) aus derartigen Verwandtschaftsbeziehungen. Anhand der Verschreibungen prüften sie, inwieweit diese später über längere Zeit antipsychotische, antidepressive oder angstlösende Medikamente eingenommen hatten und ver­glichen diese Angaben mit den Daten der Kinder, deren Eltern nicht verwandt waren.

Demnach wies der Nachwuchs von Cousins und Cousinen ersten Grades ein mehr als doppelt so hohes Risiko für ein psychotisches Leiden wie die Menschen in der Vergleichspopulation auf. Für psychische Erkrankungen lag es sogar dreimal so hoch. Waren die Eltern «nur» zweiten Grades verwandt, stieg die Wahrscheinlichkeit zwar ebenfalls, jedoch liess sich keine Signifikanz nachweisen.

 

Genetische Beratung oder pränatale Tests anbieten?

 

«Die Ergebnisse suggerieren eine si­gnifikante Assoziation von Inzuchtgeburten mit psychischer Gesundheit, unabhängig von Geburtsgewicht, Zahl der mütterlichen Geburten, Alter der Eltern, Deprivation und ländlicher Herkunft», schreiben die Autoren nach Prüfung der entsprechenden potenziellen Einflussfaktoren. Sie fordern, Verwandte über das Risiko aufzuklären.

Professor Dr. Alison­ Shaw­ von der Abteilung für Social Anthropology der University of Oxford bestätigt, dass es aktuell keine andere praktikable Methode gibt, als den Betroffenen von Nachwuchs abzuraten.2 Man könnte jedoch auch eine genetische Beratung und pränatale Tests anbieten. Sie verweist in ihrem Kommentar darauf, dass das absolute Risiko grundsätzlich gering ist. Schliesslich liegt es in der Allgemeinbevölkerung bei 2,5 %, für den Nachwuchs von Cousins und Cousinen bei 5 %.

 

 

1. Maguire A. et al. JAMA Psychiatry 2018; online first.

2. Shaw A; a. a. O.

 

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