Sonntag, 21. Oktober 2018

Fokus Medizin

iStock/Altayb

13.02.2018
Von: mf
Artikel Nummer: 26338
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Generationenübergreifende psychische Nachlast

Posttraumatische Erkrankungen persistieren offenbar generationenübergreifend. Schwedische Forscher ermittelten ein erhöhtes Risiko für Töchter ehemals evakuierter Mädchen aus dem Zweiten Weltkrieg.


Mehr als 70 000 Kinder wurden während des Zweiten Weltkriegs aus Finnland evakuiert. Ein Grossteil kam nach Schweden in Pflegefamilien. Dass solche frühen Traumata nicht spurlos an Menschen vorbeigehen, ist leicht nachzuvollziehen, und die Folgen können bis ins Erwachsenenalter reichen. Oft berichten Betroffene von chronischen Erkrankungen und psychischen Leiden wie Depressionen oder posttraumatischen Belastungsstörungen. Das Team um Dr. Torsten Santavirta­ vom Institut für Siedlungs- und Stadtforschung der Universität Uppsala wollte nun wissen, ob sich diese Erlebnisse auch generationenübergreifend auswirken. Es verglich dazu Kinder von evakuierten Personen mit den Nachkommen von deren nicht evakuierten Geschwistern.

In die populationsbasierte Untersuchung gingen Daten von 93 391 Freiwilligen ein, die zwischen 1.1.1950 und 31.12.2010 geboren wurden. Zur Zeit der Re­krutierung (2012) betrug das durchschnittliche Alter 45 Jahre; 49 % waren Frauen. Unter den Probanden befanden sich 2992 Personen, deren Eltern als Kind während des Zweiten Weltkriegs nach Schweden kamen. Um die Hypothese vererbbarer psychischer Erkrankungen zu überprüfen, setzten die Forscher den Evakuierungsstatus der Eltern mit Angaben über psychiatrische Behandlungen der Studienteilnehmer in Bezug.

Bei Frauen, deren Mütter umgesiedelt wurden, war das Risiko für einen Spitalaufenthalt wegen einer psychiatrischen Erkrankung etwa doppelt so hoch (Hazard Ratio, HR, 2,04). Die Gefahr für ein Gemütsleiden lag bei ihnen um mehr als das Vierfache höher als bei Töchtern daheimgebliebener Mütter (HR 4,68). Frauen, deren Väter evakuiert wurden sowie Männer generell boten dagegen kein gesteigertes Risiko.

 

Santavirta T et al. JAMA Psychiatry 2018; 75(1): 21–27.

 

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