Samstag, 24. August 2019

Fokus Medizin

iStock/Olha_Afanasieva

12.08.2019
Von: Dr. Dorothea Ranft
Artikel Nummer: 26599
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Mit Zwiebel-Extrakt und Silikon

Hässliche Narben gegen gesunde Haut einzutauschen, ist natürlich unmöglich. Aber mit einer gezielten Lokaltherapie lässt sich die Optik samt Juckreiz und Schmerz bessern.


Hypertrophe Narben überschreiten in der Regel nicht die Grenzen der ursprünglichen Wunde und entwickeln sich meist früh, d.h. innerhalb von sechs Monaten nach der Verletzung. Keloide dagegen wachsen über die Grenzen hinaus, erscheinen später und bilden sich im Gegensatz zu ihren hypertrophen Pendants nicht zurück. Viele Narben-Patienten leiden neben der ästhetischen Belastung unter Juckreiz und Schmerzen.

Wichtig für die Praxis: Über­schies­sende Narben lassen sich leichter verhindern als behandeln. Darauf sollte man schon bei der OP-Planung (Schnittführung, Nahtmaterial) achten, erklärte Dr. Felix Jacobs, Dermatologe in Kulmbach. Auch der Patient kann einiges dazu beitragen, indem er wenig Zug auf frische Narben ausübt und sie konsequent vor Sonne schützt. Ausserdem sollte er sie anfangs mindestens zweimal täglich mit glyzerin- oder panthenolhaltigen Externa massieren – zwei bis drei Minuten mit kreisenden Bewegungen.

 

Silikonhaltige Externa frühestens nach Fadenzug

 

Eine wichtige Rolle in der Prophylaxe und Therapie spielen inzwischen silikonhaltige Externa, die als Gel, Gelfolie, Pflaster und inzwischen auch als Spray eingesetzt werden können. Der Wirkmechanismus beruht wahrscheinlich auf einer Förderung der Kollagenase-Aktivität und auf einer Senkung der Fibroblasten-Proliferation. Die Anwendung sollte frühestens nach dem Fadenzug oder ab dem 14. postoperativen Tag beginnen. Um eine überschiessende Narbenbildung zu verhindern, riet der Experte dazu, die Topika zweimal täglich über mindestens zwei, besser sechs Monate anzuwenden. Vor der Applikation wird eine Narbenmassage empfohlen (Cremereste abwischen). Inzwischen gibt es über 70 Studien zu silikonhaltigen Externa, berichtete Dr. Jacobs. Die meisten zeigen eine Verbesserung der Narbenqualität und einen Rückgang der Rötung bei früher und regelmässiger Anwendung.

Eine zweite Gruppe von Narben-Topika wirkt auf der Basis von Zwiebel-Extrakt, ggf. ergänzt durch Heparin und Allantoin. Postuliert wird auch hier eine Hemmung der Fibroblasten-Proliferation, ausserdem ein antiinflammatorischer Effekt. Allerdings enthalten Zwiebel-Extrakte Duft- und Konservierungsstoffe und haben deshalb ein höheres allergenes Potenzial, so Dr. Jacobs. Ausserdem trocknet das Gel relativ langsam, erfordert also mehr Geduld. In einer Vergleichsstudie wirkte Silikongel signifikant besser auf Rötung, Erhabenheit und Festigkeit der Narbe als Zwiebel-Extrakt.

Eine internationale Leitlinie* empfiehlt die Prävention von hypertrophen Narben und Keloiden mit silikonhaltigen Externa bei hohem oder erhöhtem Risiko bzw. bei ängstlichen Patienten. Zur Therapie eignet es sich bei frischen hypertrophen ebenso wie bei juckenden, fortgeschrittenen Narben oder Verbrennungsrelikten. Bei kleinen Keloiden sollte das externe Silikon mit intraläsionalen Steroiden kombiniert werden.

 

Eine normale Haut wird es nicht mehr geben

 

Ziel ist es, die Ausdehnung der Narbe zu reduzieren und für ein besseres kosmetisches Ergebnis zu sorgen. Ausserdem lassen sich mit der Therapie Begleitbeschwerden wie Juckreiz, Schmerzen und Funktionseinbussen lindern. Normale Haut lässt sich nicht mehr erreichen, was man dem Patienten auch sagen muss, betonte Dr. Jacobs. Er verwendet Narben-Topika in der Prävention bei Risiko-Patienten, z.B. familiärer Disposition, Brandnarben oder Angst um die Ästhetik. Bei bereits bestehenden überschiessenden Narben eignen sich silikonhaltige Topika nicht als alleinige Option, aber immer als begleitende Therapie.

 

 

*Gold MH et al. Dermatol Surg 2014; 40: 825–831

 

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