Dienstag, 17. Oktober 2017

Fokus Medizin

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04.07.2017
Von: AW
Artikel Nummer: 26233
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Vorsicht vor dem Nocebo-Effekt bei Muskelschmerzen unter Statin

Wenn Patienten wissen, dass sie ein Statin einnehmen, klagen sie häufiger über Muskelbeschwerden. Erhalten sie das Medikament dagegen in einer Doppelblindstudie, ist das nicht der Fall.


Um mehr über die Herkunft statinassoziierter Muskelsymptome (SAMS) zu erfahren, analysierte ein britisch-schwedisches Forscherteam die ASCOT-LLA-Studie*. In dieser Arbeit hatten Patienten mit Hypertonie und mindestens drei weiteren kardiovaskulären Risikofaktoren in einer doppelblinden Phase entweder 10 mg Atorvastatin oder ein entsprechendes Placebo erhalten. Nachdem sich Atorvastatin als wirksam erwiesen hatte, wurde die Studie vorzeitig beendet.

Daraufhin wurde allen Patienten in einer weiteren, nicht verblindeten Phase eine Therapie mit 10 mg Atorvastatin täglich angeboten. Interessanterweise berichteten die Patienten, die in der verblindeten Phase mit Atorvastatin behandelt worden waren, nicht häufiger über muskuläre Nebenwirkungen als die, die Placebo erhalten hatten (2,03 % vs. 2,00 % pro Jahr). Anders stellte sich die Situation in der offenen Phase dar, in der die Patienten (und ihre Ärzte) wussten, ob Atorvastatin eingenommen wurde oder nicht: Patienten, die mit dem Statin behandelt wurden, berichteten signifikant häufiger über muskelassoziierte Nebenwirkungen als diejenigen, die darauf verzichteten (1,26 % pro Jahr vs. 1,00 % pro Jahr).1

Dieses Ergebnis demonstriert den Nocebo-Effekt, schreiben die Wissenschaftler. Durch Publikationen und Aufklärung entwickeln Patienten eine negative Erwartungshaltung, die das Empfinden von Nebenwirkungen fördert. Die Forscher hoffen, dass ihre Resultate zur Beruhigung von Patienten und Ärzten beitragen. Schliesslich zeigt die Studie, dass die mit Statinen assoziierten muskulären Nebenwirkungen nicht kausal mit deren Anwendung zusammenhängen.

 

Adäquat aufklären und keine negative Erwartung wecken

 

Der Nocebo-Effekt spiegelt eher Veränderungen der menschlichen Psychobiologie, die Gehirn, Körper und Verhalten betreffen, wider und nicht die Toxizität des Medikaments, heisst es in einem begleitenden Kommentar.2 Gerade im Hinblick auf die Statintherapie, die auf einer sehr soliden Datenlage basiert, sei es wichtig, Patienten adäquat aufzuklären, ohne negative Erwartungen bei ihnen zu wecken.

 

* Anglo-Scandinavian Cardiac Outcomes Trial – Lipid-Lowering Arm

 

 

1. Gupta AK et al. Lancet 2017; online first.

2. Pedro-Botet J, Rubiés-Prat J; a. a. O.

 

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