Sonntag, 21. Oktober 2018

Fokus Medizin

iStock/choness

11.05.2018
Von: mic
Artikel Nummer: 26383
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Teilzeit-Askese bringt nichts

Ein, zwei Zigaretten pro Tag sind verzeihlich, glauben weite Bevölkerungskreise. Ein gefährlicher Irrtum, wie eine neue Metaanalyse belegt: Selbst in derart geringen Dosen sind Tabak und Nikotin hochgefährlich für Herz und Kreislauf.


Britische Umweltmediziner wunderten sich bereits 1997: Schon blosses Mitrauchen steigert das Herz-Kreislauf-Risiko um 30 %. 30 Jahre später versucht Professor Dr. Allan Hackshaw vom University College London auch eine Erklärung für dieses Phänomen nachzuliefern. Viele Wenigraucher haben sich, was das persönliche Risiko für eine koronare Herzkrankheit oder einen Schlaganfall angeht, gewaltig verrechnet.

Denn es sinkt anders als beim Lungenkrebs nicht linear mit der Zahl der eingesparten Zigaretten. 141 prospektive Kohortenstudien mit über fünf Millionen Probanden hat der Autor neu ausgewertet und aus den Daten den Risikozuwachs durch jede einzelne zusätzlich gerauchte Zigarette kalkuliert.

Das Ergebnis taugt dazu, auch Teilzeit-Asketen die Lust am Rauchen zu verderben. Schon eine Zigarette am Tag lässt demnach die Wahrscheinlichkeit für eine KHK um rund 50 % nach oben schnellen, auch die Schlaganfallgefahr steigt um ein Drittel.

«Das sind 50 % des Risikoanstiegs, der mit dem Rauchen von 20 Zigaretten verbunden ist», schreibt Prof. Hackshaw. Bei fünf täglichen Zigaretten ist der Konsument mit einer Quote von 55–65 % des kardiovaskulären Risikos eines starken Rauchers ebenfalls gut dabei.

 

Rauch schädigt direkt das Endothel

 

Warum die Gefahr schon bei geringen Tabakdosen so überproportional ansteigt, darüber vermag Prof. Hack­shaw nur zu spekulieren: Es gebe Belege, dass Komponenten im Rauch direkt das Endothel schädigen, die Thromboseneigung fördern und die Atherosklerose-Entwicklung begüns­tigen. Diese Mechanismen könnten teilweise auch schon bei niedrigeren Dosen eine Rolle spielen.

«Ein bis fünf Zigaretten am Tag sind weitaus gefährlicher als viele Mediziner und Raucher anerkennen und sich eingestehen», mahnt der Autor. Seine Arbeit hätte eindeutig gezeigt: Beim Rauchen gibt es keine sichere Dosis. Wer derartige Gesundheitsrisiken vermeiden will, muss ganz aufhören, reduzieren reicht nicht.

 

 

Hackshaw A et al. BMJ 2018; 360: j3984.

 

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