Montag, 10. Dezember 2018

Fokus Medizin

iStock/akinbostanci

06.04.2018
Von: JL
Artikel Nummer: 26369
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Frauen husten anders

Die obstruktiven Atemwegserkrankungen nehmen weltweit zu. Dabei bestehen bezüglich Epidemiologie, Symptomatik, Diagnostik sowie Therapie deutliche Geschlechtsunterschiede. Dies wirkt sich auch auf den Praxis­alltag aus.


Wenn Frauen und Männer eine gleich gute medizinische Behandlung erhalten sollen, müssen die geschlechtsspezifischen Aspekte der Atemwegserkrankungen berücksichtigt werden, schreibt Dr. Iris Koper von der Abteilung für Innere Medizin/Pneumologie der Sana Kliniken Ostholstein, Klinik Oldenburg. Beim Asthma bronchiale fallen bereits im Kindesalter Geschlechtsunterschiede auf: Buben erkranken häufiger als Mädchen.

Im Erwachsenenalter sind dagegen Frauen häufiger betroffen als Männer, sie haben stärkere Beschwerden und ein höheres Risiko für Exazerbationen. Auch bezüglich der asthmabezogenen Lebensqualität sowie der Sterblichkeit sind sie im Nachteil. Sie weisen eine ausgeprägtere bronchiale Hyperreaktivität auf, reagieren empfindlicher gegenüber Zigarettenrauch, nehmen die Bronchialobstruktion stärker wahr und machen häufiger Fehler bei der Anwendung von Inhalationshilfen.

 

Östrogene machen die Bronchien empfindlicher

 

Es wird vermutet, dass die Sexualhormone Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben. Während Östrogene die bronchiale Empfindlichkeit begünstigen, schützt Testosteron offenbar davor. Ob Asthma-Patienten von einer Hormonsubstitution profitieren, ist allerdings gegenwärtig noch unklar und bedarf weiterer Untersuchungen, führt Dr. Koper aus.

Die Prävalenz und Mortalität der COPD nimmt, vermutlich aufgrund des veränderten Rauchverhaltens der Frauen in den letzten Jahrzehnten, in der weiblichen Bevölkerung zu. Der Tabakkonsum schadet beiden Geschlechtern in unterschiedlichem Ausmass, bereits im Kindesalter leidet die Lungenfunktion der Mädchen – möglicherweise östrogenbedingt – bei Rauchexposition stärker als die der Buben.

 

Frauen erhalten eher Psychopharmaka als Steroide

 

Männliche Raucher entwickeln häufiger ein Emphysem, das weibliche Geschlecht dagegen eher eine ob­struk­tive Ventilationsstörung. COPD-Patientinnen berichten häufiger über eine Dyspnoe, haben eine geringere körperliche Belastbarkeit, erleiden früher und häufiger Exazerbationen und weisen eine schlechtere symptombezogene Lebensqualität auf.

Im Hinblick auf Diagnostik und Therapie der obstruktiven Atemwegserkrankungen sind wieder die Frauen benachteiligt: Asthma bzw. eine COPD werden bei ihnen deutlich seltener erkannt und behandelt. Ausserdem bekommen sie statt topischer Steroide eher Psychopharmaka verschrieben, benötigen mehr Notfallmedikamente, stellen sich öfter ungeplant ärztlich vor und werden häufiger notfallmässig stationär behandelt.

 

Immerhin: Bronchodilatation klappt bei allen gleich gut

 

Beta-2-Sympathomimetika scheinen gemäss der aktuellen Studienlage bei beiden Geschlechtern gleich gut zu wirken, von inhalativen Steroiden profitieren unter den Nie-Rauchern dagegen Männer stärker. Dem Asthma bronchiale und der COPD, so das Fazit der Autorin, liegen geschlechtsspezifische pathophysiologische Mechanismen zugrunde. Viele Faktoren beeinflussen Klinik, Diagnostik sowie Therapie. Das Wissen um die geschlechtstypische Problematik ist jedoch die Voraussetzung für eine optimale Therapie der Betroffenen.

 

 

Koper I. internistische praxis 2018; 58: 576–582.

 

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