Mittwoch, 17. Januar 2018

Fokus Medizin

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08.01.2018
Von: MW
Artikel Nummer: 26317
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Fast jeder Zweite mit Parkinson oder MS konsumiert Cannabis

Cannabis boomt bei neurologischen Erkrankungen. In den USA ist der Konsum unter MS- und Parkinson-Patienten beliebt. Nutzer schneiden nicht nur im Behinderungsgrad besser ab als Abstinente.


Weniger Spastiken und Schmerzen dank Cannabis – davon können insbesondere MS- und Parkinson-Patienten profitieren. Auch mögliche neuroprotektive Effekte werden diskutiert. Doch wie gängig ist der Konsum bei dieser Zielgruppe und welche Effekte werden wirklich erzielt? Hierfür befragten John­ H. Kindred­, Department of Health and Exercise Science, Colorado State University, Fort Collins, und Kollegen Cannabisnutzer und Nicht­konsumenten.

An der anonymen Umfrage nahmen 595 Patienten teil, von denen 76,3 % an Parkinson und 23,7 % an MS litten. Erwartungsgemäss waren die Parkinsonerkrankten mit im Mittel ca. 61 Jahren etwas älter als die MS-Patienten (ca. 45 Jahre). Zwei Drittel der MS-Kranken waren weiblich.

70 % der Teilnehmer gaben an, Cannabis zumindest schon einmal ausprobiert zu haben, und 44 % berichteten über einen aktuellen Gebrauch. Von ihnen nannten 74 % medizinische Gründe. Die Konsumenten waren jünger, hatten einen geringeren BMI und seltener Adipositas. Unter den MS-Patienten war der regelmässige Cannabiskonsum etwas verbreiteter als unter Parkinsonkranken (66,4 % vs. 36,6 %).

Cannabiskonsumenten zeigten im Vergleich zu Verzichtern im GNDS*-Score einen geringeren Behinderungsgrad und sie schnitten besser in den Bereichen Gedächtnis, Stimmung und Fatigue ab. In keiner Subskala ergaben sich für sie schlechtere Werte. Eine Ausnahme waren Gleichgewichtsstörungen bei MS-Patienten – der Unterscheid war aber nicht signifikant. Die körperliche Aktivität war in beiden Gruppen etwa gleich.

 

Besser gelaunt statt untätig auf der Couch

 

Interessanterweise schnitten die Konsumenten in dieser Umfrage bei der kognitiven Leistungsfähigkeit und Stimmung eher besser ab und auch eine Gewichtszunahme wurde nicht festgestellt. Die Sorge, dass der Cannabiskonsum zu einem untätigen Leben auf der Couch verleitet, bestätigte sich ebenfalls in dieser Untersuchung nicht.

In zukünftigen Studien sollte untersucht werden, welche Symptome sich ausser Spastik und Schmerz bei MS und Parkinson noch durch Cannabis lindern lassen, schreiben die Autoren.

 

*Guy’s Neurological Disability Scale

 

 

Kindred JH et al. Compl Ther Med 2017; 33: 99–104.

 

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