Mittwoch, 13. Dezember 2017

Fokus Medizin

iStock/Fodor90

04.12.2017
Von: adb
Artikel Nummer: 26300
  • Es können nur eingeloggte Benutzer Kommentare verfassen
  • Empfehlen Sie diesen Artikel per E-Mail weiter
  • Artikel drucken

Ein teurer Schock

Schocks von implantierten Defibrillatoren retten in der Akutsituation Leben. Sie können andererseits aber auch langfristig die Mortalität erhöhen. Möglicherweise spielt hierbei die ausgelöste Untersuchungskaskade eine Rolle.


Einerseits senken die implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) das Risiko eines plötzlichen Herztods. Andererseits können die Geräte die Mortalität auf lange Sicht erhöhen – sowohl durch in- als auch durch adäquate Schockabgabe. Aus­serdem folgt auf sie meist eine dia­gnostische Kaskade.

 

Jeder zweite Patient zum Arzt katapultiert

 

Welche Diagnostik in der Folge zum Einsatz kommt, haben Professor Dr. Mintu­ Turakhia­ und Kollegen von der Stanford University untersucht. In einer retrospektiven Kohortenstudie werteten sie die Daten von 10 266 Patienten mit einem ICD aus. 9,4 % erhielten mindestens einen Schock, insgesamt lag die Zahl bei 1885 Ereignissen.

Davon waren 56 % adäquat, 38 % inadäquat und 6 % unklar. In ungefähr der Hälfte der Fälle erfolgten anschliessend Untersuchungen, davon 14 % stationär und 32 % ambulant. Nur eines von sieben Schockereignissen führte dabei zu einem stationären Aufenthalt. Echokardiografien (59 %), elektrophysiologische Untersuchungen oder Ablationen (34 %), Stresstests (16 %) und Revisionen (11 %) wurden insbesondere im Spital durchgeführt.

Ambulante Patienten unterzogen sich meistens einem EKG (73,4 %) und einem Röntgen-Thorax (40,7 %). Untersuchungen mit dem Herzkatheter waren sowohl im ambulanten (74 %) als auch im stationären (51 %) Bereich häufig. Eine perkutane koronare Intervention kam allerdings nur bei 6,5 % bzw. 5,5 % zum Einsatz. Die entstandenen Kosten im in- und adäquaten Schockarm unterschieden sich nicht.

 

Reprogrammierung könnte Rate an Schocks reduzieren

 

Die Autoren vermuten, dass die vielen invasiven Eingriffe durch die mit ihnen potenziell verbundenen Komplikationen einen grösseren Einfluss auf die Überlebensrate haben als der Schock selbst. Aufgrund anderer Studien gehen sie ausserdem davon aus, dass eine Reprogrammierung der Defis die Schockabgabe auf < 10 % pro Jahr reduziert. Algorithmen zu Arrhythmien in moderneren Geräten sollen zudem inadäquate Ereignisse minimieren. Beides könnte sich positiv auf Versorgung, Kosten und Mortalität auswirken.

 

 

Turakhia M et al. Circ Cardiovasc Qual Outcomes 2017; 10:e002210.

 

Mehr zum Thema

 

Stichworte