Mittwoch, 13. Dezember 2017

Fokus Medizin

iStock/gilaxia

06.12.2017
Von: MW
Artikel Nummer: 26301
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Der süsse Genuss ohne Reue bleibt ein Märchen

Viele Menschen ersetzten Zucker durch kalorienfreie Süssstoffe, um abzunehmen oder ihr Gewicht zu halten. Möglichweise erreichen sie dadurch das Gegenteil.


Süssstoffe wie Aspartam, Sucralose oder auch Stevia liegen im Trend und versprechen süssen Genuss ohne Reue. Allerdings werden schon seit Längerem auch negative Effekte der kalorienfreien Alternativen auf Stoffwechsel, Darmbakterien und Appetitkontrolle diskutiert.

Professor Dr. Meghan­ Azad­, University of Manitoba, Winnipeg, und Kollegen gingen möglichen Langzeiteffekten im Rahmen eines systematischen Reviews auf den Grund. Dazu werteten sie 37 Studien mit mehr als 400 000 Teilnehmern und einer Nachbeobachtungszeit zwischen 1 bis 38 Jahren – im Mittel zehn Jahren – aus. Dabei handelte es sich aber nur bei sieben Studien mit insgesamt 1003 Teilnehmern um randomisierte klinische Studien mit einer mittleren Nachbeo­b­achtungszeit von sechs Monaten.

 

Industriegeförderte Studien deklarieren Gewichtsabnahme

 

In diesen kontrollierten Studien mit kurzem Follow-up liess sich kein Effekt des Zuckerersatzes durch Süssstoff auf eine Abnahme von Gewicht, BMI und Taillenumfang feststellen. In den grösseren Kohortenstudien mit längerem Follow-up war der Konsum sogar mit einem moderaten Anstieg assoziiert. Ausserdem erhöhte sich das Risiko für Adipositas, Hypertonie, metabolisches Syndrom, Typ-2-Diabetes, Schlaganfall und andere kardiovaskuläre Ereignisse.

Als die Autoren nun weitere Studien in die Analyse miteinschlossen, erkannten sie, dass durch die Industrie unterstützte, längere, randomisierte, kontrollierte Studien eine Gewichtsabnahme deklarierten. Weitere unabhängige Beobachtungsstudien ergaben jedoch konträre Ergebnisse. Die Forscher raten zur zurückhaltenden Verwendung von Süssstoffen, bis genügend prospektive Daten aus kontrollierten unabhängigen Langzeitstudien zu den einzelnen Süssstoffen und Formulierungen zur Verfügung stehen.

 

Azad M et al. CMAJ 2017; 189: E929–939.

 

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