Mittwoch, 17. Januar 2018

Fokus Medizin

iStock/Michael Müller

13.12.2017
Von: BE
Artikel Nummer: 26307
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Dem Mikrobiom bekommt das Stadtleben wohl schlecht

Menschen, die auf dem Dorf leben, erkranken seltener an Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Das dachte man zumindest bisher. Nun zeigt sich: Nur wer dort aufgewachsen ist, profitiert.


Für ihre Analyse griffen die Autoren einerseits auf Daten der Gesundheitsverwaltung von vier kanadischen Provinzen aus den Jahren 1999 bis 2010 bezüglich der Dia­gnose einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED) zurück. Zum anderen klassifizierten sie den Wohnort der Teilnehmer mithilfe von Postleitzahl, Bevölkerungsdichte und Entfernung zum nächsten Ballungsgebiet als ländlich oder städtisch. Insgesamt waren 6662 Patienten vom Land und 38 905 Städter von Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa betroffen.

Dieser Unterschied hört sich erst einmal immens an. Jedoch betrug die Inzidenz in der Stadt 33,16 pro 100 000 Personenjahre und die auf dem Dorf 30,72. Für Dorf-Kinder unter zehn Jahren zeigte sich eine deutlich protektive Assoziation mit einem Inzidenzratenverhältnis von 0,58, und für Jugendliche vom Land zwischen 10 und 18 Jahren von 0,72.

Daraufhin ermittelten die Forscher für alle Kinder, welchen Einfluss der Wohnort der ersten fünf Lebensjahre auf die CED-Inzidenz der Folgejahre hatte.

331 der Patienten mit CED-Dia­gnose wohnten am Anfang ihres Lebens ländlich, 2302 städtisch. Wer zu Lebensbeginn zwischen einem und fünf Jahren auf dem Dorf lebte, besass ein um 25 % geringes Risiko für die Darmerkrankungen – unabhängig davon, wie viele Jahre man dort verbrachte.

 

Umweltfaktoren beeinflussen CED

 

Die Autoren vermuten, dass die Unterschiede bei Ernährung, Lebensstil und Umweltfaktoren die Zusammensetzung des Mikrobioms beeinflussen und damit auch die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung einer CED.

 

 

Benchimol EI et al. Am J Gastroenterol 2017; 112: 1412–1422.

 

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