Samstag, 22. September 2018

Fokus Medizin

iStock/Ben-Schonewille

03.04.2018
Von: JL
Artikel Nummer: 26364
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Das geht Senioren an die Nieren

Wird zur antibiotischen Therapie eines Harnwegsinfekts Trimethoprim eingesetzt, steigt bei über 65-Jährigen das Risiko für Nierenschäden und Elektrolytentgleisungen. Die Mortalität bleibt offenbar unberührt.


Nachdem bekannt wurde, dass Cotrimoxazol – also die feste Kombination aus Trimethoprim und Sulfamethoxazol – bei zeitgleicher Therapie mit Hemmern des Renin-Angiotensin-Systems (RAS) das Sterberisiko erhöht, haben britische Wissenschaftler nun das Gefährdungspotenzial des Einzelwirkstoffs Trimethoprim in einer allgemeinen Population untersucht. Elizabeth Crellin von der London School of Hygiene and Tropical Medicine und Kollegen werteten hierzu die Daten von mehr als 178 000 Patienten im Alter über 65 Jahre aus.

 

Fünf Antibiotika wurden miteinander verglichen

 

Alle hatten aufgrund eines unkomplizierten Harnwegsinfekts Trimethoprim, Amoxicillin, Cefalexin, Ciprofloxacin oder Nitrofurantoin verschrieben bekommen. Insgesamt gingen mehr als 422 000 Infektepisoden in die Analyse ein. Untersucht wurde, wie viele Patienten innerhalb von 14 Tagen nach Beginn der Antibiotikatherapie starben oder ein akutes Nierenversagen bzw. eine Hyperkaliämie entwickelten.

 

Bei eingeschränkter Nierenfunktion Alternativen suchen

 

Für die Auswertung fungierte Amoxicillin als Referenz. Im Vergleich zu diesem Antibio­tikum stieg unter Trimethoprim das Risiko für Nierenschäden um 72 % und die Gefahr für eine Hyperkaliämie um mehr als das Doppelte. Der Effekt beschränkte sich nicht nur auf Nutzer von RAS-Blockern. Unter Ciprofloxacin nahm lediglich das Risiko für renale Komplikationen zu (um 48 %). Bezüglich anderer Endpunkte und Antibiotika ergab sich kein Gefährdungspotenzial. Insbesondere wurde das Sterberisiko durch kein Medikament erhöht (verglichen mit Amoxicillin).

Bei renal vorbelasteten Patienten und denjenigen mit hohem Hyperkaliämierisiko sollte möglichst auf Trimethoprim verzichtet werden, so das Fazit der Forscher. Lässt sich die Behandlung nicht vermeiden, muss ein Monitoring der Nierenfunktion und des Kaliumspiegels erfolgen.

 

 

Crellin E et al. BMJ 2018; 360: k341.

 

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