Mittwoch, 18. Oktober 2017

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Lebensmittelallergien nehmen zu, in Europa beträgt die Prävalenz bei Kindern 3–4%. Zu den häufigsten Formen zählt die Hühnerei-Allergie.

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16.02.2017
Artikel Nummer: 26132
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Bei der Prävention ist weniger mehr

Hühnerei in geringer Dosis zufüttern senkt Allergieprävalenz bei Hochrisiko-Kindern


Tokyo – Bei ihrer Suche nach einer präventiven Strategie gegen Hühnerei-Allergie waren Wissenschaftler bisher wenig erfolgreich. Nun wurde eine Studie aufgrund vielversprechender Ergebnisse vorzeitig beendet. Die Forscher hatten Säuglingen geringe Mengen an gekochtem Ei gegeben.

Lebensmittelallergien nehmen zu, in Europa beträgt die Prävalenz bei Kindern 3–4 %. Zu den häufigsten Formen zählt die Hühnerei-Allergie. Das Meiden von Risiko-Lebensmitteln kann die Entstehung von Al­lergien nicht verhindern. In einigen Studien wurde daher untersucht, ob die gezielte frühe Einnahme vorbeugend wirkt. Bei der Hühnerei-Allergie waren die Ergebnisse allerdings bisher eher ernüchternd.

In einer randomisierten Doppelblindstudie1 erhielten Kleinkinder mit hohem Risiko wegen einer atopischen Dermatitis vom sechsten bis zum neunten Lebensmonat täglich 50 mg Pulver aus erhitztem Hühnerei. Im Vergleich zu vorherigen Studien war dies eine geringe Menge. Anschliessend fütterte man bis zum Alter von zwölf Monaten täglich 250  mg Eipulver zu. Die Kontrollgruppe erhielt Placebo. Das Ekzem wurde während der gesamten Zeit sorgfältig behandelt. Kinder, die zuvor bereits Ei gegessen hatten, waren von der Studie ausgeschlossen.

Die Forscher untersuchten die Teilnehmer im Alter von einem Jahr mit einem oralen Belastungstest auf eine Hühnerei-Allergie. Aufgrund der unerwarteten Resultate in der Zwischenauswertung mit 100 Teilnehmern wurde die Studie vorzeitig beendet: In der Ei-Gruppe lag die Allergie-Prävalenz bei 9 %, in der Kontrollgruppe bei 38 %. Während der Intervention traten keine allergischen Reaktionen auf – auch nicht bei Kindern, die bereits zuvor IgE-Antikörper gegen Hühnereiweiss besassen. Dies steht im Kontrast zu einer anderen Studie, in der zu Beginn eine wesentlich höhere Dosis Eipulver verabreicht wurde. Hier zeigte rund ein Drittel der Kinder allergische Reaktionen. Die Autoren sind der Meinung, dass ihr Ansatz eher das wahre Leben widerspiegelt.

Da die Studie nicht wie geplant fortgesetzt wurde, könnten die Ergebnisse verzerrt sein, räumen die Forscher ein. Dies betont auch Professor Dr. Graham Roberts, pädia­trischer Allergologe von der Universitätsklinik Southampton – schliesslich zeige ein systematisches Review2, dass die Effektgrösse in solchen Fällen um 50 % überbewertet werde. Zudem sei nicht auszuschliessen, dass aufgrund der geringen Teilnehmerzahl wichtige Nebenwirkungen unentdeckt blieben. Dennoch habe die Studie gezeigt, dass kleine Mengen an gekochtem Ei einen präventiven Effekt haben könnten und dabei seltener allergische Reaktionen aufträten, so Prof. Roberts.

alk

1. Natsume O et al. Lancet 2016; online first.

2. Roberts G; a. a. O.     

 

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