Montag, 10. Dezember 2018

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Posturalem Tachykardiesyndrom - Ursachen der Synkope

Posturalem Tachykardiesyndrom - Ursachen der Synkope

02.10.2012
Von: Maria Weiß, Foto: thinkstock
Artikel Nummer: 20034
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Posturale Tachykardie 
durch Angststörung?

Schwindel und Herzrasen sind typisch für das posturale Tachykardiesyndrom. Eine Studie klärte nun, ob die Ursache eine Angststörung ist.


Bei Patienten mit posturalem Tachykardiesyndrom (POTS) steigt nach längerem Stehen die Herzfrequenz (um ≥ 30/min oder auf Werte ≥ 120/min) ohne begleitenden Blutdruckabfall. Betroffene klagen über Schwindel, Benommenheit, Herzrasen, Augenflimmern und Schwitzen bis hin zu Synkopen. Auch eine Abhängigkeit vom Menstruationszyklus wird von einigen Patienten angeben. Diagnostiziert werden kann die Erkrankung auf dem Kipptisch oder mittels Schellong-Test.

Kipptisch-Test sollte 
45 Minuten dauern

Die Ätiogenese der Erkrankung ist unklar. Zum Teil wurden erhöhte Noradrenalinwerte bei Noradrenalin-Transportdefekt, eine autonome kardiale Denervation oder das Auftreten von Acetlycholin-Rezeptor-Antikörpern nachgewiesen.


Vermutet wurde auch ein Zusammenhang mit Angststörungen. Zur Abgrenzung untersuchten Christine Wagner von der Helios-Klinik Berlin-Buch und ihre Kollegen 50 zumeist weibliche Patienten mit orthostatischen Beschwerden und positiver Kipptisch-Untersuchung auf das Vorhandensein von einer Angststörung.


Bei der Kipptischuntersuchung lag der durchschnittliche Herzfrequenzanstieg nach 10-minütigem Stehen bei 36/min, nach 45 Minuten bei 42/Minute. 36 % der Patienten entwickelten bei der Untersuchung eine Synkope. Bei 30 % der Patienten erfolgte der Herzfrequenzanstieg erst nach zehn Minuten, sodass die Autoren bei POTS-Verdacht eine 45-minütige Stehdauer bei der Kipptisch-Untersuchung empfehlen.

Symptome lösen 
die Angst aus

In Angst-Frageninventaren, die auch vegetative Symptome eruierten, erreichten die Patienten signifikant häufiger pathologische Werte als ein Vergleichskollektiv. Mit Fragebögen, die nur psychische Beschwerden erfassten, ließ sich keine vermehrte Angst mehr nachweisen.


50 % der Patienten gaben aber an, dass Angst und Aufregung die Symptome verstärken. Die Autoren interpretieren das Ergebnis dahingehend, dass die Angst ein Begleitsymptom des orthostatischen Syndroms darstellt, nicht aber die Ursache.


Die Therapie ist bisher rein symptomatisch und kann auch Elemente der Verhaltenstherapie umfassen. Die Prognose des POTS erscheint relativ günstig. Nach 18 Monaten haben sich die Beschwerden bei zwei Dritteln der Patienten wieder gelegt.

Christine Wagner et al., Fortschr Neurol Psych­iatr 2012; 80: 458-462

 

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