Donnerstag, 15. November 2018

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Foto:  iStock/GreenArtPhotography

07.11.2018
Artikel Nummer: 26444
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Schönheit vor Alter

Welche Anti-Aging-Produkte wirklich etwas bewirken


Wiesbaden – «Für strahlendes Aussehen», «Falten weg in zwei Wochen» und viele Botschaften mehr versprechen Anti-Aging-Produkte. Was davon können sie halten?

Zur extrinsischen Hautalterung tragen vor allem UV-Strahlen, Rauchen und Umweltverschmutzung bei (s. Kasten). In der Prävention UV-bedingter Veränderungen hat natürlich der Schutz vor zu viel Sonne oberste Priorität, betont Professor Dr. Christiane Bayerl von der Klinik für Dermatologie und Allergologie an den Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden. Aber auch Radikalfänger wie Betacarotin oder Vitamin E bewahren die Haut teilweise vor diesen Schäden.
Gegen die natürliche, intrinsische Hautalterung lässt sich vorbeugend wenig ausrichten. Aber es gibt eine Reihe topischer Substanzen, die das Aging bremsen – idealerweise belegt durch placebokontrollierte In-vivo-Studien. Die Wirkung lässt sich durch biophysikalische Methoden objektivieren, man kann Hautrauigkeit, Elastizität, Dicke und Feuchtigkeitsgehalt messen.

Vitamin-A-Säure-Derivate
Diese Derivate – Retinol, Retinaldehyd und Tretinoin – sind nicht nur am besten untersucht, sondern topisch auch am effektivsten. In der Haut werden sie in die aktive Alltransretinsäure umgewandelt. Diese bessert das allgemeine Erscheinungsbild, feine und mitteltiefe Falten, Rauigkeit, Pigmentation und Elastizitätsverlust. Retinol führt zu weniger Irritationen als Tretinoin, wirkt aber auch 20-fach schwächer.
Tretinoin ist während der Schwangerschaft und bei Kinderwunsch kontraindiziert. Ausserdem ist bei allen Abkömmlingen der Vitmin-A-Säure auf ausreichenden UV-Schutz zu achten.

Vitamin C
Die L-Ascorbinsäure wirkt als stark hydrophiles Antioxidans. Stabilisierte Vitamin-C-Derivate in Konzentrationen von 3–10 % bringen einen Benefit für Hautstruktur und Pigmentierung. Zu einigen Formulierungen gibt es Doppelblindstudien mit histologischen Kontrollen nach drei, sechs und zwölf Monaten. Darin fanden sich u.a. eine Besserung von Faltenrelief, Elastizität, Textur und Rauigkeit. Aus­serdem gab es Aufhellungen bei unregelmässiger oder übermässiger Pigmentierung sowie eine Zunahme elastischer Fasern und eine Reorganisation von Kollagen-Typ-1-Bündeln. Prof. Bayerl warnt jedoch davor, dass die Zubereitungen instabil und empfindlich gegenüber Oxidationseinflüssen (Luft, UV-Licht) sind und darunter an Effektivität verlieren.
 
Vitamin B3
Das Niacinamid gilt als neuer «Blockbuster» unter den zellprotektiven Substanzen. In 2–5%iger Darreichung fördert es die Durchblutung, die Biosynthese von Ceramiden, Sterinen und Fettsäuren, die Kollagenbildung in vivo und bremst den Melanosomentransfer von Melanozyten zu Keratinozyten. 5%iges Niacinamid reduzierte nach zwölf Wochen feine Linien und Fältchen im Gesicht signifikant. Auch Hyperpigmentierungen, Rötungen und Gelbverfärbungen gingen zurück, die Elastizität nahm zu. In einer anderen Studie (4 %) fand sich eine sehr gute Wirksamkeit gegen Augenfältchen.

Salicyloyl-Phytosphingosin
Das Sphingolipid lässt sich durch Fermentation aus Hefen gewinnen. Es reguliert eine Reihe von Genen, die Anteil an der Reparatur epidermaler Strukturen, dem Lipidmetabolismus der Haut und der Barrierebildung haben. In einer placebokontrollierten Studie erhielten 30 Probanden mit mässigen Lichtschäden zweimal täglich eine 0,2%ige Creme periorbital auf die eine Gesichtshälfte und Placebo auf die andere. Das Verum reduzierte innerhalb von vier Wochen Faltentiefe und -relief signifikant. Biopsien zeigten nach vier Tagen einen bedeutsamen Anstieg von Fibrillin-1 um 82 % und Prokollagen um 30 %.

Niedermolekulare Hyaluronsäure
Sie dient überwiegend dem Unterspritzen von Falten, findet sich aber auch in vielen Dermatokosmetika. Bei sieben Probanden mit steroid- oder altersbedingter Hautatrophie stieg nach einmonatiger Anwendung (1 %) die Hautdicke signifikant. Auch Augenfältchen sprechen darauf an: 76 Frauen trugen über acht Wochen zweimal täglich jeweils einseitig eine 0,1%ige Creme mit Hyaluronsäure-Fragmenten mit unterschiedlichem Molekulargewicht auf. Auf die Gegenseite kam die Cremegrundlage. Nach 30 und 60 Tagen waren Hautelastizität und Hornschichthydratation unter dem Verum deutlich angestiegen. Die kleineren Fragmente veringerten zudem Rauigkeit und glätteten das Oberflächenrelief.

Peptide
Aminosäurepeptide dienen als Signalpeptide zur Kollagenanregung. Palmitoylpentapeptid (0,005 %) minderte nach 28 Tagen Applikation rechts periokulär im Vergleich zu Placebo Faltentiefe, -dicke und Hautrigidität. Tetrapetid (0,005%ig), einmal täglich auf Gesäss und Unterarmen aufgetragen, führte zu einem signifikant stärkeren Anstieg von Typ-1-Kollagen als Placebo. Und nur unter dem Peptid bildete sich mehr Prokollagen, Hyaluronsäure und Fibronektin. Eine Kombination mehrerer Peptide kann den Effekt noch erhöhen.
Keine hochwertigen Daten gibt es bisher zu Ubichinon-10 (Coenzym Q10), Dexpanthenol, pflanzlichen Polyphenolen und Phytosterolen. Ausserdem können alle Anti-Aging-Produkte Unverträglichkeitsreaktionen auslösen. Bei einem hohem Anteil an Antioxidanzien mit starkem Reduktionspotenzial lassen sich auch prooxidative Effekte nicht ausschliessen.


Dr. Anja Braunwarth

Bayerl C. Akt Dermatol 2018; 44: 277–291.

 

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