Montag, 16. Dezember 2019

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27.11.2019
Von: Dr. Elke Ruchalla
Artikel Nummer: 26668
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Mit dem Tennisarm am Ball bleiben

Epicondylitis hat eine gute Prognose – ob behandelt oder nicht


Berlin – Zur Behandlung einer hartnäckigen Epikondylopathie stehen zahlreiche Verfahren zur Verfügung. Doch viele davon sind kaum untersucht. Eine Leitlinie gibt Orientierung.

Keineswegs findet sich der umgangssprachliche «Tennisarm» nur bei Sportlern. Auch Musiker, Büromenschen und Handwerker können betroffen sein. Die Beschwerden treten grundsätzlich bei allen Bewegungen der Handgelenkstrecker und -beuger auf, die wieder und wieder mit einem gewissen Kraftaufwand ausgeführt werden. Im Lauf der Zeit kommt es zu Überlastung und Mikrotraumen der Sehnenansätze am Ellenbogen, die dann allmählich «gereizt» reagieren. Fachlich korrekt wird das Leiden etwas sperrig als Epicondylopathia humeri radialis bezeichnet.

Keine Entzündungszellen im Gewebe nachweisbar
Die Epikondylopathie ist in erster Linie eine degenerative Erkrankung, schreiben die Autoren der aktuellen S2k-Leitlinie. Im Gewebe von Betroffenen konnten Wissenschaftler nur Bindegewebe und neu gebildete Gefässe nachweisen, keine Entzündungszellen. Um die Diagnose zu sichern und keine anderen, möglicherweise ernsthaften Ursachen für die Schmerzen zu übersehen, empfiehlt sich zunächst die genaue Anamnese:

  • Der Patient gibt eine gleichförmige Dauerbelastung des Handgelenks an, z.B. beim Sport, Musizieren oder bei der Arbeit.
  • Die akuten Schmerzen liegen am lateralen Ellenbogen.
  • Sie sind belastungsabhängig und oft mit einer Schwäche der Handgelenkmuskeln verbunden.

Rheumatologische Erkrankungen beim Betroffenen selbst oder in der Familie haben nichts mit der Epikondylopathie zu tun, können aber Hinweise auf mögliche Differenzialdiagnosen liefern.

Hals- und Brustwirbelsäule mituntersuchen
Bei der Untersuchung zeigt sich ein lokaler Druckschmerz, der auch bei Dehnung und Anspannung der Muskulatur auftritt. Die Haut über dem Ellbogen sieht normal aus, ist nicht heiss oder gerötet. Ebenso sind die periphere Durchblutung und die orientierende neurologische Untersuchung unauffällig. In der Muskulatur lassen sich oft schmerzhafte Triggerpunkte tasten.

Die Beweglichkeit prüfen Sie mit der Neutral-Null-Methode. Meist ist sie passiv unauffällig, aktiv kann sie eingeschränkt sein, vor allem wenn der Kranke Pronation und Streckung bzw. Supination und Beugung kombiniert ausführen will. Eine kurze neuroorthopädische Untersuchung der Hals- und Brustwirbelsäule, der Schulter und des Handgelenks rundet die Diagnostik ab und schliesst andere Schmerz­ursachen aus.

Handgelenkstrecker mit Physiotherapie stärkem auf jeden Fall sinnvoll

Wenn Sie sichergehen wollen, können Sie noch eine Röntgenuntersuchung oder eine MRT anordnen, schon um Frakturen oder Tumoren auszuschliessen. Die MRT ist auf alle Fälle dann angezeigt, wenn die Beschwerden über mehr als sechs Monate bestehen bleiben. Eine zusätzliche Labordiagnostik und ausführliche neurologische und orthopädische Abklärungen bleiben Spezialfällen vorbehalten.
Meistens können Sie Ihren Patienten jetzt beruhigen: Die Erkrankung wird ausheilen, egal ob Sie etwas dagegen zu tun versuchen oder nicht. Bis dahin können aber schon einmal zwei Jahre vergehen und die akuten Schmerzen, wegen deren der Kranke Sie aufgesucht hat, können einige Wochen oder Monate anhalten.

Kortisonspritzen bergen Komplikationsgefahr
Als Erstes schalten Sie die Ursachen der Überlastung aus: Im Sport kann sich dafür eine Änderung des Trainingsablaufs empfehlen, im Büro die Umstellung auf eine Vertikalmaus oder eine erhöhte Tastatur. Gegen die Schmerzen kommt ein NSAR infrage. Lokale Kortikoid-Injektionen bringen keine langfristige Besserung und sind mit Komplikationen verbunden. Auf alle Fälle sinnvoll ist eine Physiotherapie zur Stärkung der Handgelenkstrecker. Die Belastung sollte sich dabei allmählich steigern, abhängig von den Beschwerden. Manuelle Verfahren können die Therapie ergänzen, sollten aber nicht die alleinige Massnahme sein.

Eigenblut, plättchenreiches Plasma, Botulinumtoxin, Hyaluronsäure, Proliferationstherapien und Polidocanol zeigen keinen evidenzbasierten Nutzen, eine abschliessende Beurteilung ist derzeit nicht möglich. Ähnliches gilt für die Kryo- und Wärmetherapie, Friktionsmassage und Sauerstoff. Die Daten zum Nutzen der Magnetfeldtherapie sind widersprüchlich, für den Einsatz der Methode besteht nur mässige Evidenz. Der Versuch einer extrakorporalen Stosswellentherapie kann sich lohnen, Komplikationen sind selten. Bandagen und Unterarmorthesen sowie Kinesio-Tapes zeigen keine nachgewiesene Wirkung, ihr Einsatz kann laut Leitlinie aber erwogen werden.

Wenn die Epikondylopathie nach etwa sechs Monaten konservativer Therapie immer noch besteht, kann über eine Operation nachgedacht werden, schreiben die Leitlinien­autoren. Es kommen dann offene und arthroskopische Verfahren infrage.

Dr. Elke Ruchalla

 

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