Montag, 09. Dezember 2019

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01.10.2019
Von: Markus Sutter
Artikel Nummer: 26631
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Medizinische Beratung inklusive Begleitdienst zum Nulltarif

Das Café Med baut weiter aus


ZÜRICH – Was nichts kostet, ist nichts wert: Dieser Slogan dürfte für das sogenannte «Café Med» allerdings nicht zutreffen. Pensionierte oder kurz vor der Pension stehende Ärztinnen und Ärzte, Psychologinnen und Sozialarbeiterinnen bieten in entspannter Atmosphäre in einem Café eine kostenlose Beratung an, die sich vor allem durch einen Pluspunkt auszeichnet: Die Fachleute nehmen sich ausgiebig Zeit, den Menschen zuzuhören.


Im Café Chez Marion in Zürich füllen sich an diesem Nachmittag langsam die Plätze. Ältere Menschen sind klar in der Überzahl. In diesem Bistro an zentraler Lage im Herzen der Stadt ist heute wie jeden zweiten und vierten Montag im Monat wieder Café Med angesagt.

Wer ein medizinisches Anliegen hat, einen Arztbericht nicht versteht, mit Ängsten vor einer bevorstehenden Operation kämpft oder sich einfach einmal mit einer Fachperson aus dem Gesundheitswesen über Ängste oder Schmerzen austauschen will, befindet sich in einem Café Med am richtigen Ort. Stressfrei und ohne weisse Kittel geben pensionierte Ärzte oder solche, die am Ende ihrer Laufbahn stehen und keine finanziellen Interessen mehr verfolgen, sowie weitere Fachleute aus dem Gesundheitsbereich (Psychologie, Sozialarbeit) in bilateralen Gesprächen an den Tischen Auskunft.

Eine Voranmeldung erübrigt sich. Die Termine finden Interessierte auf der *Homepage des Vereins Akademie Menschenmedizin (AMM). Der Verein AMM ist der Geburtshelfer dieser kostenlosen Beratung. Erste gute Erfahrungen mit dem Café sammelten die Initianten in Zürich. Jeweils um die zehn bis zwölf Fachleute sind zweimal monatlich an Nachmittagen während rund drei Stunden vor Ort, um sich mit den Anwesenden auszutauschen und deren Fragen zu beantworten. «Die Gespräche sind allerdings keine Arztkonsultationen», dämpft die Ärztin Dr. Brida von Castelberg manchmal überhöhte Erwartungen. Es würden weder medizinische Dokumentationen geführt noch Therapien verordnet. Rezepte stelle man ebenfalls keine aus und verfasse auch keine Überweisungsschreiben.

Fachleute verlassen sich primär auf ihre Erfahrung

Wer eine Zweitmeinung wünscht, erhält immerhin eine Liste mit Namen von Ärzten oder Psychologinnen, denen die Akademie attestiert, dass sie einen Sachverhalt kompetent und ohne ökonomische Interessen beurteilen. «Im Zentrum steht eine persönliche Auslegeordnung und eine fachlich qualifizierte Begleitung bei schwierigen Entscheidungsprozessen», fasst Dr. von Castelberg die Dienstleistung zusammen.

Die Entscheidung können und wollen die Fachleute den Patienten aber nicht abnehmen. Denn nicht ganz ausser Acht lassen sollte man, dass die Ratgeber sich in aller Regel nicht auf fundierte medizinische Fakten abstützen könnten. Die älteren Fachleute verlassen sich in erster Linie auf ihre Erfahrung.

Die moderne Medizin macht auch Unmögliches immer möglicher. Welche Therapie die richtige für eine bestimmte Person ist, hängt jedoch nicht nur vom Krankheitsbild, sondern auch von zahlreichen anderen Faktoren ab. Die Bereitschaft, Risiken zu tragen oder Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen, variiert teilweise beträchtlich. Der Verein hinterfragt aber auch die heute oft betriebene Maximalmedizin, welche nicht zuletzt auf falsche finanzielle Anreizmechanismen zurückgeführt wird.

Neu gibt es einen Begleitdienst für Patienten

Ergänzend zur Beratung wurde neu ein Begleitdienst aufgebaut. Dieser ebenfalls kostenlose Dienst ist einmaliger Natur und für Patienten vorgesehen, die zum Beispiel Angst vor dem alleinigen Besuch einer Sprechstunde haben und/oder dankbar dafür wären, wenn die begleitende Fachperson beim Arztbesuch zuhört, vielleicht noch ein paar Fragen stellt, an die man als Patient gar nicht denkt – oder die einem erst nachher in den Sinn kommen. Hier ist eine Voranmeldung auf der *Homepage der AMM nötig. Zu diesem kostenlosen Begleitservice zählen auch ein Vorgespräch, um Erwartungen und Fragen aufzubereiten, sowie ein Nachgespräch. Für alle Begleitpersonen gilt die Schweigepflicht.

«Ja, wir machen das alles wirklich nur aus altruistischen Gründen», beantwortet Dr. von Castelberg die Frage nach den Motiven der zahlreichen Mitmachenden. Es sei noch nirgendwo ein Problem gewesen, genügend Freiwillige zu rekrutieren. «Sie wollen der Gesellschaft etwas zurückgeben.»

 

Weiterer Ausbau geplant
Nach Zürich und Luzern, wo die bereits bestehenden Beratungsangebote auf eine grosse Nachfrage stossen, zieht man in nächster Zeit nun noch eine Reihe anderer Städte ins Visier, sagt AMM-Präsidentin Annina Hess-Cabalzar. In Bearbeitung seien Basel, Bern, Chur, Solothurn und Winterthur.
Das Café Med gibt es nach einem gelungenen Erstversuch in Zürich zudem neu in mobiler Form. Am 30. September 2019 ist man auf Tournee in Baden und am 18. November 2019 in Aarau.



*Weitere Informationen unter www.menschenmedizin.com

 

 

 

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