Mittwoch, 18. Oktober 2017

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Der Gewürzgarten kann die antihypertensive Therapie zum Teil ergänzen.

31.01.2017
Von: Dr. Anja Braunwarth
Artikel Nummer: 26128
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Knoblauch gegen Bluthochdruck und Rosmarin gegen die Atherosklerose

Was Kräuter und Gewürze bei Herz-Kreislauf-Problemen ausrichten können


jena – Dagegen ist kein Kraut gewachsen? Stimmt nicht, zumindest, was kardiovaskuläre Veränderungen betrifft. Verschiedene bioaktive Komponenten aus schmackhaften Gewächsen unterstützen die Gefässe.

 

 

Nicht nur mittelalterliche Hexen setzten Kräuter und Gewürze als Arzneimittel ein, bis heute gelten viele dieser Pflanzen als gesundheitsfördernd. Doch die geringen Mengen im Rahmen der Ernährung fanden bislang eher weniger Beachtung. Sonja Fischer und Professor Dr. Michael Glei vom Institut für Ernährungswissenschaften der Universität Jena haben nun die Datenlage dazu gesichtet. Der Fokus lag dabei auf den kardiovaskulären Schwerpunkten Bluthochdruck und Atherosklerose.

 

 

ACE-Hemmung durch
mediterrane Gewürze

 

 

Antihypertensive Eigenschaften schreibt man unter den Kräutern Oregano, Rosmarin und Thymian und unter den Gewürzen Ingwer, Knoblauch und Zimt zu. Kräuter und Ingwerwurzel stellten ihre Wirkungen bislang nur in vitro oder am Tier unter Beweis. Für Rosmarin zeigte sich eine starke ACE-Hemmung, bei Ingwer beruht der Effekt vermutlich auf einer Blockade spannungsabhängiger Kalziumkanäle und auf einer ACE-Inhibition.

Knoblauch bewährte sich schon beim Menschen. In Pulverform (300 mg/Tag) senkte die Knolle bei Hypertonikern den Druck im Vergleich zu einer Kontrollgruppe signifikant (–6,6 mmHg systolisch, –4,6 mmHg diastolisch). Dies bestätigten mehrere Metaanalysen. Dabei spielten weder die Menge (200–3050 mg/Tag) noch die Art der Supplementation (Pulver, Öl, Extrakt) eine Rolle.
Man vermutet, dass die bioaktive Schwefelkomponente Allicin die entscheidende Rolle spielt, die sich schon beim Schneiden des Knoblauchs bildet. Sie regt die Produktion von vasodilatatorischen Faktoren wie Stickstoffmonoxid (NO) an und drosselt die Produktion von Vasokon­striktoren wie Endothelin und Angiotensin II.
Allicin und die zweite Schwefelkomponente Alliin haben auch antioxidative und antiatherosklerotische Eigenschaften. Sie fangen reaktive Sauerstoffspezies ab, fördern die Bildung endogener Antioxidanzien und hemmen die Plättchenaggregation. Bei Probanden, die ein Jahr lang einen Knoblauchextrakt verzehrten, schritten Kalziumablagerungen in den Koronarien signifikant langsamer fort als in einem Kontrollkollektiv. Verstärkt wird das Ganze durch die Kombination mit Vitaminen und Arginin.

 

 

Zimt-Effekte in der Weihnachtszeit nutzen

 

 

Auch Zimt konnte schon im humanen Bereich punkten. Bei 59 Patienten mit Typ-2-Dia­betes reduzierte z. B. der tägliche Verzehr von 1200 mg den systolischen Druck um 3,4 mmHg. In einer weiteren Untersuchung mit 2 g Zimt/Tag sanken sowohl der systolische als auch der diastolische Wert bei Typ-2-Diabetikern und zwar stärker bei vorher hypertensiven Probanden. Vermutlich entfaltet das im Gewürz enthaltene Zimtaldehyd eine vasodilatatorische Wirkung.

Wie Knoblauch induziert auch Zimt antioxidative Effekte. Bei 18 Probanden sank nach täglichem Konsum von 10 mg/Tag über zehn Tage die Plasmakonzentration an Lipidperoxiden. Verantwortlich dafür sind vermutlich phenolische Antioxidanzien (z. B. Rosmarinsäure, Tannine, Procyanidine). Die tägliche Einnahme von 25 ml eines wässrigen Zimtextraktes liess bei 22 Übergewichtigen mit gestörtem Glukosestoffwechsel nach zwölf Wochen die antioxidative Kapazität des Plasmas signifikant ansteigen. Gleichzeitig sank die Konzentration des Lipidperoxidationsproduktes Malondialdehyd (MDA) massgeblich.

 

 

Unterschiedliche Ergebnisse
bei Kräutern der Provence

 

 

Polyphenole sind es auch, die Kurkuma, Oregano, Rosmarin und Thymian antioxidatve und antiinflammatorische Eigenschaften verleihen. Kurkuma fand bereits in Humanstudien bei Patienten mit metabolischen Störungen oder erhöhtem Risiko dafür Anwendung. Wegen der geringen Bioverfügbarkeit kam die Gelbwurz allerdings nur in Kombination mit Substanzen wie Piperin oder Lipiden zum Einsatz. Derart zubereitet, besserte das Gewürz z.B. Marker der antioxidativen Kapazität signifikant und es senkte das CRP. Ob auch herkömmlich verzehrtes Kurkuma positiv wirken kann, scheint aber eher fraglich.

Oregano, Rosmarin und Thymian entfalteten ihre protektiven Wirkungen gegen die Arterienverkalkung bislang fast nur in vitro oder in Tierversuchen. Die wenigen Humanstudien erbrachten unterschiedliche Ergebnisse. Gesunde Männer sprachen nicht auf einen Oreganoextrakt an, ein Thymianauszug führte bei 32 Menschen mit Hyperlipidämie zu einer Zunahme der antioxidativen Paraoxonase und zu einem CRPAbfall. Ein mit 250 mg/kg Thymianpolyphenolen angereichertes Olivenöl senkte das ox-LDL bei zwölf Patienten mit Hypercholesterinämie deutlich.

Ingwer enthält Phytochemikalien wie Zingeron und Gingerol, die z. B. freie Radikale abfangen und die Lipidperoxidation mindern. Ausserdem gibt es Hinweise auf antiinflammatorische Inhaltsstoffe. Ob sich all diese Effekte auch beim Menschen bemerkbar machen, lässt sich aber derzeit noch nicht sagen.

 

 

Fischer S, Glei M.

Ernährungs Umschau 2016; 63: 222–227.   

 

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