Freitag, 14. Dezember 2018

News

Foto: fotolia/ivas76

27.09.2018
Artikel Nummer: 26426
  • Es können nur eingeloggte Benutzer Kommentare verfassen
  • Empfehlen Sie diesen Artikel per E-Mail weiter
  • Artikel drucken

Insuffizient ernährt

Chronisch Nierenkranken drohen schwere nutritive Defizite


Stuttgart – Eingeschränkte Toleranz gegenüber Nährstoffen, aber auch rasch einsetzende Mangelzustände: Die Ernährungstherapie für chronisch Niereninsuffiziente ist kein Spaziergang.

 


Die Niereninsuffizienz führt zu einer Reihe metabolischer Störungen, schreiben Professor Dr. Stephan C. Bischoff vom Institut für Ernährungsmedizin der Universität Hohenheim in Stuttgart und seine Kollegin. Zu den wichtigsten Störungen gehören:

  • periphere Insulinresistenz mit vermehrter hepatischer Glukoneogenese
  • Hemmung der Lipolyse
  • metabolische Azidose
  • Proteinkatabolismus
  • gestörtes Kaliumgleichgewicht
  • renale Osteopathie
  • Erschöpfung des antioxidativen Systems
  • Induktion einer subklinischen Entzündung.


Dazu kommt, dass auch die Nierenersatzverfahren Einfluss auf Stoffwechsel und Bilanzen nehmen.
Der Nährstoffbedarf variiert im Verlauf der Erkrankung. Entsprechend ändern sich die Empfehlungen, was für Verwirrung sorgen kann. Immer gilt es aber, die Ernährung engmaschig zu überwachen, um Mängel zu verhindern, die urämische Toxizität zu reduzieren und auch dem Krankheitsprogress vorzubeugen.


Die Autoren empfehlen ein mindes­tens vierteljährliches Screening mit Erfassung von BMI, Appetit, Gewichtsverlauf, anthropometrischen Befunderhebungen (z. B. Oberarm-/Wadenumfang, Bioimpedanzmessung von Fett- und Muskelmasse). Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) hat darüber hinaus verschiedene Scores zur Prüfung entwickelt und drei unabhängige Kriterien für eine krankheitsspezifische Mangelernährung definiert (s. Kasten).


Nicht zu sehr an den Proteinen sparen


Die chronische Nierenerkrankung wird heute als chronische Stoffwechselerkrankung angesehen, die sich durch Ernährung in jede Richtung beeinflussen lässt. Frühere Hunger-/Durstkuren oder eiweissreduzierte Kartoffel-Ei-Diäten sind zum grössten Teil passé. Tatsächlich zeigte eine Reihe von Studien, dass die Eiweissrestriktion den Progress hemmt. Inzwischen weiss man aber, dass sie sich im milden Bereich bewegen sollte. Der Proteinbedarf der Patienten liegt bei 0,6–0,8 g/kgKG/Tag. Bei Sarkopenie, nephrotischem Syndrom oder im Stadium CNI 4 (s. Tabelle) steigt er durchaus auf 1 g/kgKG/Tag an. Im Stadium 5 schliesslich bringt eine Beschränkung keine Vorteile mehr, sondern erhöht nur noch die Gefahr der Sarkopenie.


Immer ein grosses Thema ist die Trinkmenge. Die Flüssigkeitszufuhr zu steigern, hat sich aber als eher ungünstig erwiesen. Die Kollegen geben daher den einfachen Tipp: Man sollte sich erst einmal nach dem Durstgefühl richten. Da das bei Älteren oft gestört ist, empfehlen sie dieser Population eine tägliche Dosis von etwa 1,5 l Flüssigkeit. Mehr sollte nur bei einer angestrebten Urinverdünnung ärztlich verordnet werden, z. B. bei rezidivierenden Harnwegsinfektionen oder Steinbildung.


Maximal ein Gramm Phosphat pro Tag


Was den Energiebedarf angeht, beträgt er in den Stadien CNI 1–4 etwa 30–35 kcal/kgKG/Tag. Beim Phosphat sollte eine gewisse Zurückhaltung herrschen (600–1000 mg/Tag). Die Empfehlungen für Vitamine und Spurenelemente entsprechen denen für Gesunde. Lassen sich bei Patienten mit fortgeschrittener Insuffizienz bestehende Defizite nicht mehr durch die normale Ernährung ausgleichen, stehen verschiedene enterale oder schlimmstenfalls parenterale Diäten bzw. Lösungen zur Verfügung.

Nach einer Nierentransplantation entfallen die meisten Beschränkungen. Man sollte aber mögliche persistierende Störungen im Kalzium-/Phosphat-Haushalt im Auge behalten und auf eine ausreichende Versorgung mit Kalzium und Vi­t­a­min D achten. Und die Autoren mahnen, die potenziellen Folgen der immunsuppressiven Therapie wie Hyperlipidämie, Adipositas oder Diabetes nicht zu vergessen.  
 

Dr. Anja Braunwarth



Bischoff SC, Basrai M. Dtsch Med Wochenschr 2018; 143: 871–879.

 

Mehr zum Thema

 

Stichworte