Dienstag, 12. November 2019

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30.10.2019
Von: rft
Artikel Nummer: 26648
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Hörsturz trifft Diabetes

Kortison ins Mittelohr spritzen!


MAINZ – Die klassische Hörsturz-Therapie mit hoch dosierten systemischen Glukokortikoiden ist bei Diabetikern mit erheblichen Risiken verbunden. Schliesslich drohen jederzeit Blutzucker­entgleisungen. Es gibt jedoch eine Alternative: die intra­tympanale Injektion.


Patienten mit Diabetes mellitus haben ein zweifach höheres Hör­sturz-Risiko als Stoffwechselgesunde. Ausserdem verläuft die Erkrankung bei ihnen in der Regel schwerer. Sie tritt häufiger bilateral auf und es kommt auch öfters zu Rezidiven. Ausschliesslich im Falle eines geringfügigen Hörverlusts ohne Beeinträchtigung des sozialen Gehörs darf man eine Spontanheilung abwarten, betont das Team um Dr. Barbara Leggewie von der Universitäts-HNO-Klinik Mainz.


Bei einem ausgeprägten Fall mit vestibulärer Beteiligung heisst es hingegen: sofort behandeln. Gleiches gilt für Betroffene mit vorgeschädigtem Gehör. Die Primärtherapie umfasst ein systemisches Steroid, vorzugsweise 250 mg Prednisolon über einen Zeitraum von mindestens drei Tagen.


Viel mehr Wirkstoffin der Perilymphe
Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählt die Hyperglykämie. Umso wichtiger ist eine konsequente Überwachung des Blutzuckers z.B. mit Tagesprofil. Dennoch lässt sich eine Insulin-Behandlung unter hoch dosierten Steroiden oft nicht vermeiden. Bei kurzfristigem Einsatz kann man dem postprandialen Glukose-Anstieg mit einem kurzwirksamen Mahlzeiten-Insulin entgegenwirken. Bei bisher medikamentös behandelten Typ-2-Diabetikern werden Basalinsulin- und Korrekturdosen initial um 20 % gesteigert und abhängig der gemessenen Werte dann angepasst.


Derartige Mühen mit der Stoffwechseleinstellung lassen sich durch eine intratympanale Steroid-Therapie vermeiden. Dabei wird das Glukokortikoid durch das Trommelfell ins Mittelohr gespritzt und gelangt durch die Membran des runden Fensters in die Peri­lymphe. Aufgrund der so umgangenen Blut-Cochlea-Schranke kann eine bis zu 1270-fach höhere Wirkstoffkonzentration­ als mit der systemischen Gabe erreicht werden.


Hyperglykämische Zwischenfälle blieben aus
Im direkten Vergleich mit der oralen Therapie erwies sich die intratympanale als nicht unterlegen – in einer Studie erreichte sie eine Hörverbesserung von 30,7 dB (vs. 28,7 dB). An Nebenwirkungen muss man mit vorübergehenden Schmerzen an der Injektionsstelle und mit Schwindel rechnen. Auch ein persistierender Trommelfelldefekt und eine akute Otitis media können auftreten. Hyperglyk­ämische Zwischenfälle traten unter der intratympanalen Therapie in keiner Studie auf. Die Applikation durchs Mittelohr hat sich somit als sicheres Verfahren erwiesen, schreiben die Autoren.

rft

Leggewie B et al. HNO 2019; 67: 639–648.

 

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