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04.04.2016
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Genexpressionstest erspart Chemotherapie

Fünf-Jahres-Ergebnisse bei frühem Brustkrebs


AMSTERDAM – Mit der PlanBStudie ist der Nachweis gelungen, dass Patientinnen mit frühem Brustkrebs (HR+/HER2-) mittels des Multi-Gentests Oncotype DX® identifiziert werden können, bei denen auf die Chemotherapie verzichtet werden kann. Nach fünf Jahren Follow-up lebten 94 % dieser nur antihormonell behandelten Patientinnen noch und waren krankheitsfrei.

 

Die Fünf-Jahres-Überlebensergebnisse des PlanB-Trials, einer Phase-IIIStudie der West German Study Group (WSG), präsentierte Co-Studienleiter Dr. Oleg Gluz, Evangelisches Krankenhaus «Bethesda» Brustzentrum, Mönchengladbach, an der 10th European Breast Cancer Conference der European CanCer Organization (ECCO).1

Der Oncotype DX®-Test analysiert eine Gruppe von 21 Genen und erlaubt Aussagen über den Krebs und über eine wahrscheinliche Therapieantwort. Das Testergebnis wird in einem sogenannten «Recurrence-Score®» zahlenmässig zwischen 0 und 100 ausgedrückt. Je kleiner der numerische Wert, desto geringer das Risiko für die Entwicklung von Fernmetastasen in den nächsten zehn Jahren. In der PlanB-Studie galt ein Score ≤ 11 als niedriges, ein Score > 11 bis ≤ 25 als intermediäres und ein Score > 25 als hohes Risiko. Der Test sollte in der Studie die Patientinnen identifizieren, die vom Einsatz einer Chemotherapie profitieren würden.

Für die gentechnische Untersuchung muss Tumorgewebe an das entsprechende Labor geschickt werden. Der Onkotype DX®-Test dauert acht bis zehn Tage.

«In dieser Studie konnten wir mit dem 21-Gene-Recurrence-Score bei 15 % der Patientinnen ein genetisch niedriges Krankheitsrisiko identifizieren », erklärte Dr. Gluz. «Wir waren in der Lage, diese klinisch in der Hoch-Risiko-Gruppe eingestufte Patientinnen, antihormonell zu behandeln und ihnen die Chemotherapie zu ersparen. Das Disease-free Survival (DFS) lag nach fünf Jahren ohne adjuvante Chemotherapie bei 94 %. Das ist ein hervorragendes Ergebnis», so Dr. Gluz.


Zwischen 2009 und 2011 wurden 2448 Brustkrebspatientinnen im medianen Alter von 56 Jahren in 96 deutschen Zentren in die Studie aufgenommen. 348 (15,3 %) Patientinnen (HR+/HER2-; pN0 oder pN1) hatten einen geringes Risiko mit einem Recurrence-Score ≤ 11 und wurden nur antihormonell ohne adjuvante Chemotherapie behandelt. Alle anderen Patientinnen mit einem Score >11 oder mit vier oder mehr betroffenen Lymphknoten oder HR-wurden zu einer von zwei möglichen Chemotherapien randomisiert: Entweder erhielten sie sechs Zyklen Docetaxel/Cyclophosphamid oder vier Zyklen Epirubicin/Cyclophosphamid gefolgt von vier Zyklen Docetaxel.

 

Keine Chemotherapie – aber 94% DFS

 

Nach im median 55 Monaten Nachbeobachtungszeit waren von den Patientinnen mit genomisch geringem Risiko ohne Chemotherapie noch 94 % am Leben und krankheitsfrei. Bei den Patientinnen mit intermediärem Risiko, die eine Chemotherapie erhalten hatten, lag das DFS ebenfalls bei 94 % und bei
denjenigen mit einem hohen Risiko (> 25 im Recurrence Score) betrug das DFS nach fünf Jahren 84 %. Patienteninnen mit Reccurence-Score 12–25 und pN0 oder pN1 könnten wahrscheinlich mit der Chemotherapie übertherapiert worden sein, bemerkte Dr. Gluz.

«Unsere Daten zeigen eine eindeutig stärkere prognostischen Aussage im Vergleich zu den immunhistologischen Hilfsmitteln, wie Ki67 und Hormonrezeptor-Expression. Das spricht für den Einsatz des Recurrence-Scores in der klinischen Praxis in Kombination mit weiteren unabhängigen Prädiktoren für DFS, nämlich Lymphknoten-Status pN2-3, Tumorgrösse > 2 cm und  Tumor-Grad 3», so Dr. Gluz. Der grösste Zusatznutzen des Multigentests ist bei mittleren Ki-67-Werten zu erwarten.

Professor Dr. Nadia Harbeck, wissenschaftliche Leiterin der WSG Leitung, Brustzentrum und Onkologische Tagesklinik, Frauenklinik der Universität München, meinte an einer EBCC-Pressekonferenz: «Basierend auf unseren Ergebnissen haben wir jetzt eine stärkere Evidenz für den Einsatz des 21-Gene-Recurence-Score und seine Implementierung in die klinischen Guidelines.»

 

Follow-up wird auf zehn Jahre verlängert

 

Der Follow-up der PlanB-Studie wird auf zehn Jahre verlängert und in die Nachbeobachtungsstudie WSG-ADAPT wird mit ca. 5000 Patientinnen die Kombination von Oncotype DX® mit der Frühantwort einer präoperativen antihormonellen Kurzzeittherapie, die durch einen Ki67-Abfall indiziert ist, untersucht. «Die Kombination dieser beiden Hilfsmittel könnte bei 50–60 % der Patientinnen mit frühem Brustkrebs zu einem Verzicht der Chemotherapie führen,» so Prof. Harbeck. Die finalen Überlebensdaten werden für 2021 erwartet.


Dr. Gluz wies aber auch darauf hin, dass der primäre Endpunkt von PlanB erst 2017 präsentiert werden kann. Dieser ist definiert als das «DFS seit der Randomisierung, jedwedem Rückfall, sekundäre maligne Malignitäten oder Tod ohne wiederauftreten der Erkrankung». Und er erwähnte, dass validierte Daten für ein Fernmetastasen-freies Überleben noch nicht verfügbar sind.

Der Diskutant Professor Dr. Jonas Bergh, Karolinska Institutet, Stockholm, gab zu bedenken, dass Daten aus fünf Jahren Follow-up vielleicht noch nicht ausreichend sind, um definitiv Patientinnen von einer Chemotherapie auszuschliessen. «Die prospektiven Studien MINDACT, TAILORrx und RxPonder werden uns bald die finalen Antworten geben», so der Experte.

Professor Dr. Fatima Cardoso, Vorsitzende des Kongresses, Campalimaud Clinical Centre, Lissabon, betonte: «Diese wichtige Studie ergänzt die Resultate des Niedrig-Risiko-Arms der prospektiven TAILORx-Studie, die am ECC 2015 in Wien vorgestellt und im NEJM publiziert ist.2 Patientinnen, die in dieser Studie einen Low-Risk-Score im Oncotype DX® von ≤ 11 hatten, erhielten nur eine antihormonelle Therapie. Nach fünf Jahren Nachbeobachtung waren 93,8 % der Patientinnen krankheitsfrei. Damit wird das genomische Testen unterstützt, mit dem Ziel, diejenigen Patientinnen mit frühem Brustkrebs zu identifizieren, denen die Chemotherapie erspart werden kann.»


Die deutsche AGO (Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie) empfiehlt in der Leitlinie 2016 Oncotype DX® und bescheinigt dem Test eine Level-1A-Evidenz. Auch die ASCO und NCCN (National Comprehensive Cancer Network) sprechen sich in ihren Empfehlungen eindeutig für Oncotype DX® aus.

 


Winfried Powollik

 



1. Gluz O et al. Prospective WSG Phase III PlanB trial: Clinical outcome at 5 year follow up and impact of 21 gene recurrence score result, central/local-pathological review grade, ER, PR and Ki67 in HR+/HER2- hight risk node-negative and –positive breast cancer. Abstract LBA, 10th EBCC 2016; 11.03.2016, Amsterdam.


2. Sparano JA et al. Prospective validation of a 21-gene expression assay in brest cancer. N Eng J Med 2015; 373(21): 2005–2014.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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