Sonntag, 15. September 2019

News

14.06.2019
Von: kas
Artikel Nummer: 26569
  • Es können nur eingeloggte Benutzer Kommentare verfassen
  • Empfehlen Sie diesen Artikel per E-Mail weiter
  • Artikel drucken

Gefährliche Sonnencreme?

Lichtschutzsubstanzen wandern in die Blutbahn


SILVER SPRING – Wendet man Sonnenschutzmittel nach Herstellerempfehlung an, lassen sich die Wirkstoffe schon nach einem Tag zuhauf im Blut nachweisen. Ob das ein Gesundheitsrisiko darstellt, ist unklar.


Um den auf ihrer Packung versprochenen UV-Schutz zu gewährleisten, enthalten Sonnencremes, -gels und -sprays verschiedene Lichtschutzsubstanzen. Forscher der US Food and Drug Administration haben nun untersucht, ob und in welchen Mengen die Wirkstoffe nach dem Auftragen ins Blut gelangen.1 Hierfür hatten sie 24 gesunde Probanden auf vier Gruppen verteilt. Vier Tage lang verwendeten die Teilnehmer viermal täglich entweder einen von zwei Sprays, eine Creme oder ein Gel. Dafür trugen sie jeweils ca. 2 mg pro cm2 auf etwa 75 % der Gesamtkörperfläche auf, um das empfohlene Anwendungsregime, z.B. während Strandferien, zu simulieren.

Serumproben enthielten über 200 ng/ml Oxybenzon

Alle getesteten Produkte sind in den USA frei verkäuflich und enthalten mindestens einen der UV-Filter Avobenzon, Oxybenzon, Octocrylen und Ecamsul.

Bereits ab dem ersten Tag der Anwendung liessen sich die Lichtschutzsubstanzen im Blut nachweisen – und zwar jeweils in Konzentrationen von > 0,5 ng/ml. Dieser Wert markiert die Schwelle, ab der die Food and Drug Administration toxikologische Untersuchungen fordert. In den darauffolgenden Tagen stiegen die Zahlen weiter an. Die höchsten Werte erreichten die Serumkonzentrationen von Oxybenzon: Bei einem der Sonnensprays lagen sie bei > 200 ng/ml.

Der Verzicht wäre vermutlich schädlicher

Die Ergebnisse werfen einige brisante Fragen auf, schreiben Dr. Robert­ M. Califf­ von der Duke University School of Medicine in Durham und Dr. Kanade­ Shinkai­ von der University of California in San Francisco in ihrem begleitenden Editorial:2

  • Stellt die systemische Aufnahme der Substanzen ein Gesundheitsrisiko dar?
  • Wie beeinflussen Faktoren wie Hauttyp oder Sonnenexposition die Aufnahme?
  • Ist bei Kindern aufgrund des anderen Verhältnisses zwischen Körpervolumen und -oberfläche mit einer höheren Resorption zu rechnen?


Bis diese Fragen geklärt sind, sollten die bislang geltenden Empfehlungen beibehalten und weiter propagiert werden, betonen die Autoren. Denn ein Verzicht auf topische Sonnenschutzmittel könnte wesentlich schädlichere Folgen für die Gesundheit haben. Die Autoren empfehlen, den Patienten vermehrt Formulierungen mit mineralischen (reflektierenden) UV-Absorbern wie Titandioxid und Zinkoxid ans Herz zu legen – natürlich im Rahmen eines grösseren Lichtschutzprogramms, welches das Meiden von Sonne und das Tragen von schützender Kleidung umfasst.


1. Matta MK et al. JAMA 2019; online first.
2. Califf RM, Shinkai K. A.a.O.

 

Mehr zum Thema

 

Stichworte