Donnerstag, 21. September 2017

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Foto: iStock/Ridofranz

01.09.2017
Von: Dr. Michael Brendler
Artikel Nummer: 26251
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Fünf Mythen über den Sonnenschutz

Appellieren Sie an Ihre Kunden: Nach dem Baden unbedingt erneut eincremen


Basel – Wasserfest, Anti-Aging oder östrogenähnliche Effekte: 20–30 % aller Aussagen zum Sonnenschutz in den Medien sind mangelhaft oder irreführend. Zwei Mediziner rechnen nun mit den Mythen ab.


«Infrarot-Filter verhindern Falten» –so lautet eines von vielen Werbeversprechen, über die sich die Dermatologen Professor Dr. Christian Surber vom Universitätsspital Basel und Professor Dr. Ralph P. Braun vom UniversitätsSpital Zürich ärgern. Sie wollen mit den Mythen über Sonnenschutz aufräumen.
Gefährliche Nanopartikel aus der Sonnenmilch, Vitamin-D-Mangel durch den Sonnenschutz oder die Warnung vor hormonaktiven Stoffen, die durch die Haut ins Blut sickern – oft sind es falsche oder fehlende Informationen, die einer effektiven Photoprotektion im Wege stehen, bedauern die Experten. Mit einem Überblick über die Datenlage wollen sie Abhilfe verschaffen.


1. Ein topischer Infrarot-Schutz ist besonders wichtig
Infrarotstrahlen (IR) dringen tiefer als UV-Licht in die Haut ein und können diese langfristig schädigen und schneller altern lassen. Laut Werbung umfasst eine gute Sonnenmilch deshalb nicht nur einen Filter gegen UV-B und UV-A, sondern auch einen gegen Infrarotstrahlen.
Die Experten zweifeln hingegen an der Aussage. So liess sich zwar experimentell im Labor ein Abbau von Kollagenfasern auslösen und damit die Hautalterung beschleunigen, aber die hierfür eingesetzten Dosen waren so hoch, dass sie selbst die von Sonnenanbetern bei Weitem übertrafen. Auch die einzige zu diesem Thema exis­tierende klinische Untersuchung lieferte nur bescheidene Effekte des IR-Filters.


2. Photoprotektion schadet dem Vitamin-D-Spiegel
Halten sich Personen ständig drinnen auf oder tragen sie meist lange Kleidung, sinkt ihr Vitamin-D3-Spiegel im Serum, so das Ergebnis verschiedener Studien. Die Daten zeigen laut Prof. Surber und Prof. Braun jedoch auch, dass durch die Langzeitanwendung von Sonnencreme eine Einschränkung der Produktion unwahrscheinlich ist. Schliesslich blockieren selbst Produkte mit hohem Lichtschutzfaktor die UV-Strahlung nicht vollständig, ausserdem würde in der Regel viel zu wenig von der Substanz aufgetragen und das meist auch noch lückenhaft.
Das Fazit der Autoren: «Empfehlungen, den Sonnenschutz zu reduzieren, um die körpereigene Synthese von Vit­amin D nicht zu behindern, gefährden die Gesundheit.»


3. Nanopartikel gelangen über die Epidermis in den Kreislauf
Zu den Nanopartikeln in Sonnenlotionen gehören u. a. Zinkoxid und Titandioxid. Sie reflektieren, streuen und absorbieren die Strahlung. Beide kommen seit mehr als 20 Jahren in Sonnenschutzmitteln zum Einsatz, ohne dass unerwünschte Wirkungen dokumentiert wurden, entwarnen die Experten. Zudem könnten die Partikel weder die Haut durchdringen noch sich – dank der regelmässigen Erneuerung der Epidermis – in ihr anreichern.

 

4. Die Inhaltsstoffe stören den Hormonhaushalt
Tatsächlich lässt sich eine schwache östrogenähnliche Wirkung von Inhaltsstoffen aus der Sonnencreme in vitro und in Tierstudien beobachten – die eingesetzten Dosen waren jedoch unrealistisch hoch. Hinweise, dass ähnliche Effekte auch beim Menschen bestehen, gibt es bisher nicht. Kein Wunder: Neue Substanzen dringen schon aufgrund ihres grossen Molekulargewichts nur bis ins Stratum corneum vor.


5. Auch Wasser kann der Creme nichts anhaben
Irreführen lassen sich viele Verbraucher durch das Label «wasserfest». Letztendlich garantiert es nur, dass nach zwei 20-minütigen Whirlpool-Bädern noch 50 % der Wirkung vorhanden sind. Betrug der Lichtschutzfaktor also 50, liegt er nun nur noch bei 25. «Wer sich nach dem Baden abtrocknet, muss sich unbedingt erneut eincremen», betonen die Experten. Denn jede Art von Abrieb gefährdet den Schutzfilm auf der Haut. Wer allerdings erwartet, nach erneutem Einreiben wieder länger in der Sonne bleiben zu können, fällt dem nächsten Mythos zum Opfer. «Es erhält bestenfalls den angegebenen Schutz aufrecht», so die Experten.

 


Surber C, Braun R.
Swiss Medical Forum 2017; 17: 544–555.

 

 

 

Richtig gerechnet?
Der Lichtschutzfaktor (LSF) gibt an, inwiefern sich die Eigenschutzzeit der Haut gegen die UV-Strahlung verlängert. Mit jeder Verdopplung der Zahl halbiert sich die eingedrungene Strahlung, bei einem LSF von 15 sind es rund 6,7 %, bei 60 nur noch rund 1,7 %. Ein rothaariger oder hellblonder Mensch mit dem empfindlichen Hauttyp 1 kann z. B. mit SPF 50, wenn er die vorgesehenen 2 mg/cm2 Creme tatsächlich erreicht, die Zeit von fünf bis zehn auf 250–500 Minuten verlängern.

 

 

 

 

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