Samstag, 21. September 2019

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Alzheimerrisiko durch Schlafmangel?

Fehlende Nachtruhe stört die Entsorgung von Beta-Amyloid.

02.01.2015
Von: Dr. med. Andrea Wülker, Foto: fotolia - 3ThousandPhotoSTD
Artikel Nummer: 23027
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Alzheimerrisiko durch Schlafmangel?

Schlechter Schlaf scheint die Entwicklung der Alzheimer-Krankheit zu fördern, wie epidemiologische Daten zeigen. Niederländische Forscher haben nun untersucht, woran das liegen könnte.


Die Ablagerung von Beta-Amyloiden (Aβ) scheint in der Alzheimer-Pathogenese eine zentrale Rolle zu spielen, wobei vor allem Aβ42 zur Plaquebildung beiträgt. Frühere Studien ergaben, dass bei erhöhter Aktivität (Wachphasen) mehr Aβ anfällt, während im Schlaf bei verminderter neuronaler Aktivität einerseits weniger Aβ gebildet wird und andererseits die Aβ-Clearance ansteigt.

Deutliches Absinken des Aβ-Spiegels während des Schlafs

Tatsächlich ließ sich bei Mensch und Tier ein deutliches Absinken der Aβ-Spiegel im Liquor während des Schlafs nachweisen. In einer aktuellen Studie untersuchte das Team um Sharon Ooms vom Department of Geriatric Medicine am Radboud University Medical Center in Nimwegen, wie sich Schlafentzug auf die Aβ42-Konzentration im Liquor auswirkt. 26 Männer im Alter zwischen 40 und 60 Jahren gingen dabei für eine Nacht ins Schlaflabor. Alle Probanden zeigten normale kognitive Befunde und nahmen keine Medikamente.


13 Männer durften ungestört schlafen, während die übrigen über 24 Stunden wachgehalten wurden. Über einen intrathekalen Katheter entnahmen die Forscher zu definierten Zeitpunkten Liquorproben, um die zerebralen Aβ42-Konzentrationen am Abend und am Morgen zu vergleichen. Bei den Probanden, die schlafen durften, sank der Aβ42-Spiegel um 6 %, während Schlafentzug diesen Abfall bei den Patienten verhinderte.

Nacht durchgemacht,
 Amyloid bleibt hoch

Aus früheren Studien ist bekannt, dass kognitive Leistungen und Arbeitsgedächtnis durch Schlafentzug für eine Nacht vergleichbar angegriffen werden wie durch verkürzte Schlafzeiten (sechs Stunden oder weniger) über 14 Tage, schreiben die Autoren.


Daraus könne man schließen, dass totaler Schlafentzug physiologische Prozesse ähnlich beeinflusst wie chronische partielle Schlafdeprivat­ion. Deshalb vermuten die Kollegen, dass sich bei chronischen Schlafstörungen allmählich Aβ42 im Gehirn ansammelt, ablagert und dann zum geistigen Abbau bis hin zur Alzheimer-Demenz führt.


Quelle: Sharon Ooms et al., JAMA Neurol 2014; 71: 971-977

 

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