samedi, 20. avril 2019

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Für die einen ein süßes Haustier, für die anderen ein Albtraum.

15.08.2016
Auteur : Ulrike Viegener, Foto: fotolia
Artikel Nummer: 25812
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Rattenbissfieber als banaler Infekt verkannt

Fieberschübe, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, katarrhalische Symptome, Diarrhö – mit diesen Beschwerden stellte sich ein 19-jähriger Mann in der Notfallstation des St. Claraspitals in Basel vor. Was zunächst aussah wie ein viraler Infekt, entpuppte sich als seltener Fall von Rattenbissfieber.


Bei der Erstvorstellung waren die Symptome bereits regredient, das Fieber ging mit Paracetamol herunter und der Patient befand sich trotz der erhöhten Entzündungswerte (CRP 109 mg/l, Leukozyten 14,7 x 109) in einem guten Allgemeinzustand. Deshalb wurde er mit der Verdachtsdiagnose "viraler Infekt" nach Hause entlassen. Vier Tage später suchte er die Klinik jedoch erneut auf, weil die abendlichen Fieberschübe persistierten und zusätzlich Halsschmerzen sowie linksseitige Leisten- und Fußschmerzen aufgetreten waren.

Den entscheidenden Hinweis auf die Ursache der Beschwerden lieferte die eingehende Befragung des jungen Mannes: Zwei Tage vor Symptombeginn war er von einer seiner beiden Ratten in die rechte Hand gebissen worden. Es habe danach aus einer kleinen oberflächlichen Wunde leicht geblutet, die Wunde sei aber komplikationslos verheilt.

Rattenbissfieber lautete nach dieser Information die Verdachtsdiagnose. Bei der erneuten klinischen Untersuchung wurde ein makulo-papulöses Exanthem festgestellt, das sich primär an den Innenflächen der Hände und den Fußsohlen manifestierte. Passive Bewegung ergab eine schmerzhafte Funktionseinschränkung im linken oberen Sprunggelenk und in der linken Hüfte. Laborchemisch war weiterhin eine Leukozytose nachweisbar.

Empirische Therapie mit Ceftriaxon

Das Rattenbissfieber wird in Europa und den USA in erster Linie durch das gramnegative Stäbchenbakterium Streptobacillus moniliformis hervorgerufen. Ceftriaxon ist Mittel der Wahl, wobei schnell gehandelt werden muss, um Komplikationen einer Bakteriämie zu vermeiden. Nach der Blutabnahme wurde deshalb eine empirische antibiotische Therapie mit Ceftriaxon 1 x 2 g/Tag i.v. eingeleitet, unter der sich eine rasche klinische Besserung einstellte. Der Patient entfieberte, Exanthem und Arthralgien waren innerhalb von drei Tagen komplett verschwunden. Gleichzeitig normalisierten sich die Entzündungsparameter.

Auf eigenen Wunsch wurde der Patient nach drei Tagen aus der Klinik entlassen. Ceftriaxon wurde bei gleicher Dosierung über insgesamt sieben Tage verabreicht, anschließend wurde die Antibiotikatherapie über weitere sieben Tage mit Amoxicillin (dreimal täglich 500 mg oral) fortgeführt. Zwischenzeitlich war aus den Blutkulturen Streptobacillus moniliformis angezüchtet worden, womit sich die Verdachtsdiagnose bestätigte. Seit dem Abschluss der Therapie ist der Patient fieberfrei und weist auch sonst keine Symptome auf.

Ein Rattenbissfieber kann aber auch erheblich schwerwiegender verlaufen: Meningitis, Endo- und Myokarditis, Pneumonie und septische Arthralgien sind evtl. die Folge, wobei in solch komplizierten Fällen eine Mortalität von bis zu 10 % beschrieben ist.


Quelle: Haenel M et al. Schweizerisches Medizin-Forum 2016; 16: 427-429

 

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