Dienstag, 20. August 2019

Fokus Medizin

iStock/Nikolas_jkd

11.06.2019
Von: ER
Artikel Nummer: 26566
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Vom Fitnessstudio ins Spital

Um beim Krafttraining mehr Muskelmasse aufzubauen, greifen einige zu Kapseln oder Pulvern – manchmal ohne zu ahnen, dass diese Anabolika enthalten.


Ein junger, ansonsten gesunder, muskelgestählter Mann kommt in Ihre Praxis und klagt über anhaltenden Juckreiz. Ihnen fallen leicht gelbliche Skleren auf. Bei den Laborwerten finden Sie neben einem erhöhten Bilirubin-Wert deutlich oberhalb des Normwerts liegende Konzentrationen der Transaminasen und der Alkalischen Phosphatase. Es kann gut sein, dass dieser Patient in das DILIN*-Register passen würde. Darin sammeln US-amerikanische Ärzte u.a. Daten von Patienten, bei denen anabole Steroide in Präparaten, die den Muskelaufbau fördern sollen, zu Leberschäden geführt haben.

Forscher aus Los Angeles haben bei 44 jungen Männern nach Einnahme verschiedener Produkte ein charakteristisches Muster der Läsionen identifiziert: Bei allen war ein deutlicher Ikterus zu verzeichnen, bei mehr als 80 % ausserdem Juckreiz. Diese Symptome deuten zwar eher auf eine Störung in den Gallenwegen hin, die klinische Chemie zeigte aber eine vorwiegend hepatozelluläre Schädigung, bei der die Alanin-Aminotranferase (ALAT) stärker angestiegen war als die Cholestase-Parameter. Allerdings ging die ALAT im Verlauf schnell zurück, während die Alkalische Phosphatase zunächst noch zunahm. Fast drei Viertel der Patienten mussten stationär behandelt werden. Im Verlauf bildete sich der Schaden zurück. Keiner der Kranken benötigte eine Lebertransplantation, keiner starb.

 

Produktangaben waren falsch oder unzureichend

 

Die Leberbiopsien von 22 Patienten zeigten ein Bild, das mit den Laborbefunden übereinstimmte: ein gemischter hepatozellulär-cholestatischer Schaden, nur bei knapp einen Fünftel bestand eine akute Cholestase. In 14 von 33 Präparaten, die die Männer zur Verfügung stellten, fand man mindestens ein anaboles Steroid. 13 davon waren illegal. Die Angaben in den Packungsbeilagen waren falsch oder unzureichend.

 

* Drug-Induced Liver Injury Network

 

 

Stolz A et al. Aliment Pharmacol Ther 2019; 49: 1195–1204.

 

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