Montag, 16. Dezember 2019

Fokus Medizin

Pille, Ring, Spirale – womit verhüten?

Vor- und Nachteile der aktuellen Kontrazeptions-Methoden

21.05.2014
Von: Dr. Carola Gessner, Foto: thinkstock
Artikel Nummer: 22368
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Pille, Ring, Spirale – womit verhüten?

In mehr als 50 Jahren „Pillen-Geschichte“ hat sich viel getan bei der hormonellen Kontrazeption. Womit fahren Frauen heute am besten?


Die Einführung Pille zählt zu den Meilensteinen der Medizingeschichte, auch wenn sie den Frauen in den Anfangsjahren allerlei Malaise bescherte. Dank hoher Hormonkonzentrationen hatten Anwenderinnen mit Übelkeit, Kopfschmerzen und Brustspannen zu kämpfen. Hinzu kamen spezielle Risiken wie die erhöhte Thrombosegefahr.


Besserung brachten reduzierte Hormondosen in kombinierten oralen Kontrazeptiva (KOK), die bei der Mikropille 30 bzw. 35 µg Ethinyl­estradiol betrugen und mittlerweile bis auf 20 µg Ethinylestradiol gesenkt werden konnten. Damit ist die Dosisverschlankung allerdings abgeschlossen, eine weitere Reduktion lässt sich mit einem stabilen Zyklus nicht mehr vereinbaren, wie Professor Dr. Bernd Kleine-Gunk von der Euromed-Praxis Fürth ausführt.

Natürliches Östrogen auch in der „Pille“

Aktuelle Innovationen bestehen zum einen in der Einführung von KOK mit natürlichem Estrogen, das sich günstig auf Gerinnung, Fett- und Zuckerstoffwechsel auswirkt. Zum anderen gibt es Präparate mit verkürztem einnahmefreiem Intervall, die zyklusabhängige Beschwerden wirksam dämpfen.

Keine Chance für 
die Männer-Pille

Mit der geteilten Verantwortung wird es zumindest in Sachen Verhütungspille-Schlucken vorerst nichts. Wegen starker Nebenwirkungen der beforschten Präparate haben sich die Herstellerfirmen erst einmal aus dem Geschäft zurückgezogen, berichtet Prof. Kleine-Gunk: „Hormonale Kontrazeption bleibt damit Frauensache.“


Eventuell empfiehlt es sich, bei betroffenen Frauen den Zyklus sogar völlig zu unterdrücken. In den USA sind entsprechende Präparate bereits auf dem Markt. In Europa gilt der Einsatz von oralen Kontrazeptiva im Langzeitzyklus noch als Off-Label-Use, auch wenn bereits Studien mit entsprechenden Präparaten laufen, erklärte der Gynäkologe.


Eine weitere Innovationsidee hieß transdermale Therapie – ein naheliegendes Konzept nach den positiven Erfahrungen mit Hormonpflastern in der Menopause, die gegenüber der oralen Applikation mit signifikant reduziertem Thromboserisiko aufwarteten. Allerdings akzeptierten die jüngeren Frauen diese Darreichungsform weniger gut, da das Verhütungspflaster bei bis zu 15 % der Anwenderinnen Hautreizungen hervorrief. Auch erfüllte sich die Hoffnung auf ein vermindertes Thromboserisiko nicht.


Und nach FDA-Angaben sorgte die transdermale Therapie im Vergleich zur Mikropille für um 60 % erhöhte Östrogenspiegel im Serum. Derzeit raten Sie Ihren Patientinnen also besser von der Klebemethode ab. Modernere kleine Pflaster mit geringeren Hormondosen – oder reiner Gestagenfreisetzung – befinden sich allerdings in klinischer Erprobung, berichtet Prof. Kleine-Gunk.

Vaginalring wirkt auch bei Magen-Darm-Infekt

Als exzellente Verhütungsmethode schätzt der Kollege den Vaginalring ein. Er steht zwar seit rund zehn Jahren zur Verfügung, ist aber vielen Frauen unbekannt. Der transparente weiche Kunststoffring – bestückt mit 15 µg Ethinylestradiol und 120 µg Etonorgestrel wird von der Nutzerin in die Scheide eingeführt und bleibt dort drei Wochen.


Probleme wie „vergessene Pille“ oder „zweifelhafte Wirksamkeit bei Magen-Darm-Infekt“ fallen als Unsicherheitsfaktor weg. Die sehr gleichmäßige Hor­monaufnahme über die Vaginalhaut garantiert hohe Zyklusstabilität.


Wenn man den Frauen diese Vorteile darlegt, entscheiden sich viele für den Scheidenring, wie Studien ergaben. Auch auf diesem Gebiet arbeiten Wissenschaftler weiter an Innovationen. So befinden sich reine Gestagen-Vaginalringe für Stillende ebenso in der Erprobung wie Modelle, die mit natürlichem Estrogen „beladen“ sind.


Und die Spiralen? Sie spielen nach wie vor eine wichtige Rolle. Auch hier gab es eine „Meilensteinentwicklung“ – nämlich die Einführung reiner Gestagen-Intrauterin-Pessare. Entgegen der Erwartung fühlten sich Frauen von der Nebenwirkung „Amenorrhö“ nicht abgeschreckt, sondern begrüßten sie sogar. Eine kleinere Version mit einer Liegezeit von drei Jahren wird nach Angaben des Autors vermutlich bald verfügbar sein. 

Menopause: Pflaster und Spirale kombinieren?

Transdermale Östrogengabe zum Hormonersatz in der Menopause bietet gegenüber der oralen Therapie den Vorteil eines deutlich reduzierten Thromboserisikos. Allerdings brauchen Nichthysterektomierte die gleichzeitige Gestagensubstitution.


Interessant wäre der Einsatz intrauteriner Systeme zum Endometriumschutz, kombiniert mit transdermaler Östrogentherapie. Eine Zulassung der Spirale für Indikationen außerhalb der Kontrazeption gibt es allerdings noch nicht, so Prof. Kleine-Gunk.


Quelle: B. Kleine-Gunk, ÄP Gynäkologie 2013; 6: 17-19

 

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