Samstag, 21. September 2019

Fokus Medizin

wikimedia/Danvasilis

21.08.2017
Von: rft
Artikel Nummer: 26243
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Nicht vergessen: Masern blühen auch Erwachsenen

Eine 23-Jährige erscheint mit Fieber, grippeähnlichen Symptomen, Durchfall und Ausschlag auf der Notfallstation. Erst Serologie und PCR verraten: Sie hat Masern.


Zwar galten Masern lange Zeit als Kinderkrankheit, doch zwei Drittel der Fälle betreffen Jugendliche und Erwachsene, schreiben Beatrice­ Clare Cockbain vom Royal Free Hospital, London, und Kollegen. Die Gefahren sind nicht zu unterschätzen: Seit 1991 starben in Grossbritannien 28 Patienten an Masern, 24 davon waren 15 Jahre oder älter.

Betroffene leiden zu Beginn meist an Fieber, Husten, Schnupfen und Konjunktivitis. Das makulopapulöse Exanthem taucht erst nach zwei bis vier Tagen auf und verbreitet sich typischerweise vom Gesicht auf den Körper. An der Mundschleimhaut kann es zu einem weisslichen Enanthem kommen, den Koplik-Flecken. Die Patienten sind vier Tage vor bis vier Tage nach dem Beginn des Ausschlags infektiös.

 

IgM-Antikörper sichern die Diagnose

 

Mittlerweile kommen Masern selten vor. Deshalb werden sie oft verwechselt, z. B. mit anderen Erkrankungen (Röteln, Dengue, Parvovirus B19) oder mit Arzneimittelreaktionen. In einer britischen Hausarztstudie erreichte selbst die Kombination von Prodromi und Ausschlag nur einen positiven prädiktiven Wert von 19 % (mit Koplik-Flecken 50 %).

Sichern lässt sich die Diagnose innerhalb weniger Tage nach Manifestation des Exanthems durch den Nachweis von IgM-Antikörpern im Serum. Deshalb gilt es, gleich beim Erstkontakt eine Blutprobe für den IgM-ELISA zu gewinnen, der positive prädiktive Wert liegt bei 98,2 %, der negative bei 92 %. Weiterhin empfehlen die Autoren eine PCR-Diagnostik. Zum Virusnachweis genügen ein Rachenabstrich oder eine Speichel- bzw. Urinprobe.

 

Infizierte auf Komplikationen hinweisen

 

Die meisten Infizierten genesen unter einer ambulanten Therapie mit Fiebersenkern, Ruhe und adäquater Flüssigkeitsaufnahme. Sicherheitshalber sollte man jedem Patienten einschärfen, dass er bei Hinweisen auf Komplikationen wie Mittelohrentzündung, Atemnot, persistierendem Fieber, Verwirrtheit oder Krampfanfällen sofort den Arzt aufsucht. Bei erhöhtem Risiko (Schwangerschaft, Immunsuppression, Malnutrition) ist eine stationäre Aufnahme indiziert. Masern-Patienten müssen ausserdem den Kontakt mit Schwangeren, Säuglingen und Kleinkindern sowie ungeimpften Personen meiden.

 

Cockbain BC et al. BMJ 2017; online first.

 

 

Prophylaxe vor und nach Kontakt mit dem Virus

  • Eine Masernimpfung sollte allen Kindern ab einem Jahr und unzureichend geschützten Erwachsenen angeboten werden.
  • Eine vollständige Vakzination mit zwei Dosen schützt lebenslang.
  • Unzureichend oder nicht immune Kontaktpersonen von Masern-Patienten profitieren von einer Postexpositionsprophylaxe mit Ig innerhalb der ersten drei (notfalls bis zu sechs) Tage nach Exposition.
  • Besonders wichtig ist das Angebot für nicht immune Schwangere und Säuglinge.
 

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