Dienstag, 10. Dezember 2019

Fokus Medizin

Bewegung und Pharmakotherapie für eine gute Bechterew-Prognose

02.08.2013
Von: Manuela Arand, Foto: thinkstock
Artikel Nummer: 21223
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Neue Studiendaten zur ankylosierenden Spondylitis

Bechterew-Patienten möchten lange beweglich bleiben. Neue Studien befassten sich mit der Frage, wie die moderne Therapie im Langzeitverlauf wirkt.


Konventionelle DMARDs (Disease Modifying Antirheumatic Drugs) wie Methotrexat sind bei der ankylosierenden Spondylitis (SpA) weitgehend wirkungslos, erinnerte Professor Dr. Rik Lories von der Universität Leuven. Die medikamentöse Therapie besteht derzeit überwiegend in der Gabe von nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) und TNF-α-Inhibitoren.

Wirkkombi bewährt sich beim Morbus Bechterrew

Die Kombination beider Wirkprinzipien scheint besonders effektiv zu sein, wie die INFAST1-Studie gezeigt hat: Biologikanaive Patienten mit früher axialer Spondylarthritis erreichten unter der Kombination aus Infliximab plus Naproxen fast doppelt so häufig eine partielle Remission wie unter Naproxen allein.


Auch der TNF-α-Inhibitor Adalimumab ist wirksam, wie die placebokontrollierte ABILITY-1-Studie ergab. „Adalimumab erwies sich als besonders effektiv bei nachweisbarer Inflammation, also deutlich erhöhtem CRP“, berichtete Prof. Lories. Offen bleibe die Frage, ob man diese Medikamente bei weniger starker Entzündung benutzen solle.


Die offene Verlängerung der 
INFAST-Studie zeigte auch, dass der Effekt der Behandlung bei rund der Hälfte der Patienten auch nach Absetzen des Biologikums anhält, egal ob man Naproxen weiter gibt oder nicht. Aber bei der anderen Hälfte der Patienten flammte der Bechterew wieder auf.


Alles in allem gilt es nun, Kriterien zu erarbeiten, bei wem die Therapie wie lange fortgeführt werden sollte, betonte der Rheumatologe. Wenn der Patient auf den ersten TNF-α-Blocker nicht anspricht, lohnt es sich, auf einen anderen Wirkstoff der gleichen Klasse zu wechseln. Das legen Daten aus dem dänischen Biologika-Register nahe: Fast die Hälfte der Patienten erreicht nach der ersten Umstellung noch gute Resultate und etwa ein Drittel der Zweifach-Non-Responder nach einem zweiten Switch.

Hausärzte: Patienten das Rauchen abgewöhnen!

Der Beweis, dass sich die radiologische Progression der SpA langfris­tig durch Biologika aufhalten lässt, steht allerdings noch aus, so Prof. Lories. Eine aktuelle Analyse deute auf einen über mehrere Jahre andauernden Effekt hin – hierbei handelte es sich um den Vergleich von Infliximab-behandelten Patienten mit einer historischen Kohorte.


Ein dringender Appell von Rheumatologen richtet sich schließlich an die Hausärzte: Wenn Sie die Prognose Ihrer Bechterew-Patienten bessern wollen, bringen Sie sie vom Rauchen ab. Eine Auswertung von 210 Patienten der deutschen GESPIC2-Kohorte, von denen 95 bei Einschluss radiologisch noch keine Strukturschäden aufgewiesen hatten, ergab einen eindeutigen und dosisabhängigen Zusammenhang zwischen Zigarettenkonsum und Fortschreiten der Krankheit.

1 Infliximab as First Line Therapy 
in Patients with Early Active Axial 
 Spondyloarthritis Trial

2 German Spondyloarthritis 
Inception Cohort


Quelle: EULAR-Kongress 2013, Madrid, 2013

 

 

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