Mittwoch, 13. November 2019

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Nackenschmerzen richtig behandeln

Nackenschmerzen richtig behandeln

08.11.2014
Von: Manuela Arand, Foto: thinkstock
Artikel Nummer: 22995
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Nackenschmerzen nicht über einen Kamm scheren

Nackenschmerzen liegen nur selten schwerwiegende Erkrankungen zugrunde; trotzdem sollte die Therapie spezifisch und abgestimmt durchgeführt werden - um Kosten und Zeit zu sparen.


Schmerzen im Nackenbereich führen viele Patienten in die Hausarztpraxis. Sind spezifische Ursachen erst ausgeschlossen, hilft eine einfache klinische Phänotypisierung, die richtige Strategie zu finden und eine Bildgebung zu ersparen.

Natürlich kann hinter einem Nackenschmerz auch eine Infektion, ein Malignom, eine rheumatoide Arthritis oder eine Kristallarthropathie stecken. Viel häufiger handelt es sich aber eher um unspezifische Beschwerden. Trotzdem sollte man nicht alle verbleibenden Patienten in den Topf „Nackenschmerz“ werfen, sondern sich die Mühe machen, genauer zu differenzieren, mahnte Professor Dr. Michel Revel vom Hôpital Cochin der Universität Paris.

Er schlug eine Einteilung anhand einfacher, therapeutisch wegweisender Kriterien vor: Berichtet der Patient über ein geringfügiges Trauma, als der Schmerz begann, dürfte eine Art Schleudertrauma vorliegen, das am besten durch Mobilisation und Kräftigungsübungen behandelt wird.

Nackenschmerzen: Bewegungseinschränkung oder nicht?

Handelt es sich um einen älteren Patienten, bei dem der Schmerz ausschließlich in der Bewegung auftritt, vorzugsweise beim Drehen des Kopfes, liegt eine Arthrose der Halswirbelsäule nahe – vorausgesetzt natürlich, es finden sich keine Symptome, die auf eine Radikulopathie oder Myelopathie hinweisen. Auch hier ist vorsichtige Mobilisation angezeigt, eventuell kombiniert mit einer axialen Extensionsbehandlung.

Ein Dauerschmerz, der auch nachts anhält, kann Zeichen eines (pseudo)entzündlichen Geschehens sein, das sich im MRT als Ödem an den knöchernen Endplatten oder den Facettengelenken erkennen lässt. Bewegungsübungen sind hier nicht angebracht, stattdessen NSAR oder je nach Ausprägung auch Steroide.

Schäden am Gelenksapparat: NSAR helfen

Bei jüngeren Patienten ohne röntgenologische Veränderungen an der HWS und mit nur geringer Einschränkung der passiven Beweglichkeit liegt wahrscheinlich das Frühstadium einer Intervertebral- und Facetten-Gelenksdegeneration vor. NSAR und Analgetika bringen eine gewisse Linderung. Prof. Revel: „Das ist die einzige Situation, in der chiropraktische Manipulationen erlaubt werden können.“

Können Kopf und Hals passiv schmerzfrei und uneingeschränkt bewegt werden, der Patient – häufiger noch die Patientin – berichtet aber über Schmerzen nach längerem Sitzen in gebeugter Haltung, verschaffen Analgetika nur wenig Besserung. Indiziert sind vielmehr Kräftigungsübungen für die Hals- und Nackenmuskulatur.

Nackenschmerzen: auch Muskeln stärken

Treten Schmerzen an wechselnder Lokalisation und begleitend Kopfschmerzen auf, sollte man nach Triggerpunkten (Myogelosen) suchen. Häufig berichten die Patienten auch über Schlafstörungen. „Antidepressiva wirken hier besser als NSAR, Analgetika und Rehamaßnahmen“, so Prof. Revel. Wie bei vielen Formen von Schmerzen am Bewegungsapparat gilt auch hier: Überdiagnostik und Übertherapie vermeiden, sofern keine Warnsignale vorliegen. Häufig bessern sich die Symptome spontan.

Quelle: Annual European Congress 
of Rheumatology, Paris, 2014

 

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