Freitag, 13. Dezember 2019

Fokus Medizin

iStock/Dimitris66

15.11.2019
Von: mic
Artikel Nummer: 26656
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Irdische Leiden

Bis heute glauben Menschen, dass der Mond unseren Alltag, unsere Emotionen und unser Wohlbefinden beeinflusst. Sogar für psychische Leiden und Epilepsie soll er mitverantwortlich sein. Gibt es belastbare Daten für diese Vorstellung?


Wenn der Mond irgendeinen Einfluss auf psychische Krankheiten hätte, müsste das in Graubünden eigentlich zu sehen sein, glaubt Dr. Gupta­ Rahul­. In den beiden Kliniken des psychiatrischen Dienstes des Kantons, für die der Psychiater tätig ist, werden unterschiedliche Patientengruppen versorgt, ambulant wie stationär. Allein zwischen 2005 und 2015 nahmen die Ärzte zeitweise fast 18 000 Personen auf. Würde der Erdtrabant tatsächlich den menschlichen Geist verwirren und zu Psychosen beitragen, dann würde sich ein solches Muster dort sicherlich abbilden, ist sich Dr. Rahul sicher.

Basierend auf den Daten dieses Patientenkollektivs hat er zusammen mit Kollegen die Aufnahmen, Entlassungen und Aufenthaltsdauern mit den einzelnen Mondphasen verglichen. Insgesamt 16 Zyklusstadien wurden neben Voll-, Neu- sowie ab- und zunehmendem Halbmond unterschieden.

Ein Zusammenhang mit den Mondphasen liess sich für keines der oben genannten Kriterien feststellen, auch wenn die Forscher nach dem Geschlecht der Patienten oder nach einzelnen Diagnosen differenzierten. Andere Wissenschaftler mussten sich in der Vergangenheit vorhalten lassen, den Einfluss des Erdtrabanten nicht differenziert genug betrachtet zu haben.

Die Annahme, dass der Mond sowohl Leben als auch Emotionen des Menschen prägt, ist schon seit Tausenden von Jahren verbreitet, wundern sich die Autoren. Obwohl die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien in eine ganz andere Richtung deuten. «Der Grund für die Persistenz dieser Einstellung findet sich wahrscheinlich nicht in rationalem Denken», so Dr. Rahul. Seiner Meinung nach sehnen sich viele Menschen auf emotionale und grundlegende Weise danach, nicht selbst die volle Verantwortung für das eigene Verhalten übernehmen zu müssen. Es sei leichter zu glauben, dass Handeln und Gefühle unter dem Einfluss einer höheren Macht stehen.

 

Gupta R et al. Swiss Med Wkly. 2019; 149: w20070.

 

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