Samstag, 21. September 2019

Fokus Medizin

iStock/Hank Grebe

08.02.2019
Von: JL
Artikel Nummer: 26473
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Die Masse macht es

Acetylsalicylsäure (ASS) schützt nur dann zuverlässig vor Herz-Kreislauf-Ereignissen, wenn die Dosis an die Körpermasse des Patienten angepasst wird.


Gemäss der aktuellen Evidenzlage verfügt Acetylsalicylsäure nur über eine mässige Effektivität hinsichtlich der Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen, berichten der Neurologe Professor Dr. Peter M. Rothwell vom Centre for Prevention of Stroke and Dementia an der University of Oxford und seine Kollegen. Dies führen sie darauf zurück, dass alle bisherigen Studien hierzu den Wirkstoff in einer fixen Dosis einsetzten, was möglicherweise bei Personen mit grosser bzw. geringer Körpermasse zu einer Unter- bzw. Überdosierung führte.

 

Schutzwirkung sinkt mit steigendem Gewicht

 

In einer Metaanalyse der vorhandenen Literatur haben die Forscher deshalb untersucht, inwiefern Körpergewicht, Körpergrösse und Body-Mass-Index der Patienten die protektive Wirkung von ASS beeinflussen. Hierzu haben sie die Daten von mehr als 117 000 Patienten ausgewertet, die im Rahmen von 13 randomisierten Studien zur Primär- bzw. Sekundärprävention kardiovaskulärer Ereignisse (zum Beispiel Myokardinfarkt oder Schlaganfall) mit ASS behandelt worden waren.

Gemäss ihren Analyseergebnissen sinkt die Schutzwirkung von niedrig dosiertem ASS (75–100 mg) mit steigendem Körpergewicht: Ab einem Gewicht von 70 kg ist kein präventiver Effekt mehr nachweisbar. Dies betraf in den Studien immerhin 80 % der Männer und nahezu 50 % der Frauen. Umgekehrt wirken hohe ASS-Dosen (300–325 mg bzw. 500 mg) offenbar am besten bei schweren und grossen Menschen.

 

Grösse und fettfreie Masse statt Body-Mass-Index

 

Auch bezüglich der Langzeitprävention des kolorektalen Karzinoms besteht gemäss den Studiendaten ein Zusammenhang zwischen der ASS-Dosis und dem Körpergewicht bzw. der Körpergrösse. Gleiches gilt für die Mortalität: Bei einer zu hohen Dosierung des Wirkstoffs steigt das Sterberisiko signifikant.

Die Eine-Dosis-für-alle-Strategie ist nicht mehr zeitgemäss, schlussfolgern die Wissenschaftler. Um die maximale kardiovaskuläre Protek­tion zu erzielen, sollte ASS gewichtsadaptiert verabreicht werden, so ihr Fazit. Sie empfehlen, sich dabei an der fettfreien Körpermasse und der Körpergrösse zu orientieren. Der Body-Mass-Index alleine habe weniger Aussagekraft.

 

 

Rothwell PM et al. Lancet 2018; 392: 387–399.

 

 

 

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