Empfängnisverhütung bei Teenagern
„Pille“ unverändert erste Wahl
Bei Teenagern kommt es vor allem auf eine si-chere, unkomplizierte und gut verträgliche Empfängnisverhütung an. Ausserdem muss bei den jungen Mädchen sichergestellt sein, dass sie „das Prinzip verstanden“ haben, forderte die Münchner Gynäkologin Dr. Susanne Maurer beim 36. Schwarzwälder Frühjahrskongress „Frauen-gesundheit“.
Wenn Teenager erstmals in die gynäkologische Sprechstunde kommen, geht es in der Regel um die Kontrazeption. Bei den Überlegungen, was für diese Altersgruppe in Frage kommt, muss der Aspekt der sicheren Verhütung einer Schwangerschaft absolute Priorität haben.
Zahlen und Fakten
Jugendliche in Europa sind alles andere als Spätzünder in Sachen sexueller Aktivität: zwischen 15 % (Spanien) und 40 % (England) der 15-Jährigen haben bereits Geschlechtsverkehr. Weltweit finden pro Tag 100 Millionen Sexualkontakte statt – während Sie diesen Artikel lesen, sind es etwa 350000. Und weltweit vertrauen 55 Millionen Frauen der empfängnisverhütenden Wirkung der „Pille“.
Weshalb es gerade für Teenager so wichtig ist, sicher zu verhüten, machen Zahlen zur Müttersterblichkeit in Deutschland deutlich: Während insgesamt pro 100000 Lebendgeburten zehn bis zwölf Mütter sterben, sind es bei den unter 20-Jährigen zwischen 20 und 50. Ausser-dem ist es keine Seltenheit, dass Jugendliche Kinder kriegen: Eine von 100 Müttern in Deutschland ist im Teenager-Alter. Die Pille bietet bei korrekter Einnahme eine sichere Kontrazeption, da sie die Ovulation unterdrückt, die Viskosität des Zervixschleims herabsetzt sowie den adäquaten Aufbau des Endometriums verhindert.
Andere Verhütungsmethoden sind in dieser Altersgruppe nicht zu empfehlen, da sie entweder hinsichtlich der Sicherheit oder in Bezug auf die Applikationsart unterlegen sind, so Dr. Maurer. Lediglich bei Vorliegen von Kontraindikationen müssen Alternativen in Betracht gezogen werden. Allerdings muss man die Teenager unbedingt auf die Notwendigkeit einer zusätzlichen Barriere (Kondom) hinweisen, die sie vor sexuell übertragbaren Infektionen (in erster Linie HPV, HIV) schützt.
Die „Minipillen“, reine Gestagenpräparate, stellen hohe Anforderungen an die Anwenderinnen, weil die Einnahme Tag für Tag möglichst zur selben Zeit erfolgen muss (+/- drei Sun-den). Eine Ausnahme macht Desogestrel, bei dem das zeitliche Fenster auf zwölf Stunden verlängert ist.
Mögliche Neben-wirkungen
Mädchen, welche erstmals die Pille verschrieben bekommen, müssen auf mögliche Nebenwirkungen hingewiesen werden. Dazu zählen Zwischenblutungen, leichte Kopfschmerzen, Brustspannen, Übelkeit und Libidoveränderungen. Diese treten vor allem in den ersten drei Monaten der Anwendung auf.
Das Thromboserisiko unter oraler Kontrazeption ist ein Thema, doch muss man dies immer in Relation zum entsprechenden Risiko während einer Schwangerschaft sehen, sagte Dr. Maurer. Statistisch beträgt die Anzahl thromboembolischer Ereignisse pro 100000 Frauenjahre.
- ohne Pille: 5 bis 10,
- mit Pille (35 µg Ethiny-lestradiol, EE): 20 bis 40,
- unter EE + Rauchen: 40 bis 80,
- unter EE + APC-Resistenz: bis 400,
- bei Schwangerschaft: 50 bis 60.
Die absoluten Kontraindika-tionen der Pille wie z.B. Hy-pertonie, Fettstoffwechsel-störungen, Übergewicht, Alkohol- und Nikotinabusus sind in dieser Altersgruppe eher selten. Das Risiko „Rauchen und Pille“ muss jedoch thematisiert werden. RW
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