Vitamin D plus Kalzium
Die Osteoporose-Basistherapie wird vernachlässigt
Obwohl am Konsens nicht gerüttelt wird, dass Vitamin D und Kalzium die Basis der Osteoporosetherapie bilden, wird diese einfache Supplementierung heute oft grob vernachlässigt. Professor Dr. Steven Boonen, Universität Leuven in Belgien, referierte deshalb am 6. European Congress on Clinical and Economic Aspects of Osteoporosis and Osteoarthritis (ECCEO) noch einmal die Basics. Auch präsentierte er eine Metaanalyse, was sich durch zusätzliche Kalziumgabe gegenüber alleiniger Vitamin-D-Supplementation erreichen lässt.
Die Gabe von Vitamin D und Kalzium bildet bei Osteoporose das Behandlungsfundament, auf dem dann antiresorptive oder anabole Therapien aufbauen können. Aber obwohl die Supplementierung vergleichsweise billig ist, wird sie zu selten angewandt.
Dosisabhängiger Effekt
Die American Medical Women’s Association empfiehlt für alle Frauen ab 50 Jahren mindestens 800 bis 1000 Einheiten (IU) Vitamin D pro Tag. Diese Empfehlung wird durch eine neuere Metaanalyse unterstützt, die ab Dosierungen von 700 bis 800 IU die Häufigkeit von Schenkelhals- und anderen nicht vertebralen Frakturen bei über 60-Jährigen signifikant – um etwa 25 % – senkt. Dosierungen von 400 IU können diesen Effekt dagegen nicht belegen. Es kommt also auf die Dosis an.
Es kommt aber noch auf mehr an: Vitamin-D-Mangel geht in der Regel mit Kalziummangel einher, sodass die Vitamin-D-Supplementierung von Kalzium in einer Dosis von 1000 bis 1200 mg pro Tag begleitet werden sollte. Diese Kombination ist für die Prävention und für die Therapie der Osteoporose der Grundstein, betonte Prof. Boonen. Die Kombination von 800 IU Vitamin D und 1000 bis 1200 mg Kalzium pro Tag sollte als Osteoporoseprävention der ersten Wahl angesehen werden. Bei bereits nachgewiesener Osteoporose wird diese Supplementation dann durch antiresorptive oder anabole Substanzen ergänzt. Besonders wichtig ist die Kombination aus Vitamin D (800 IU) und Kalzium (1000 bis 1200 mg) auch bei Patienten mit einem erhöhten Frakturrisiko aufgrund einer Kortikosteroidtherapie.
Die oben zitierte Metaanalyse, die eine Risikoreduktion von 25 % für nicht vertebrale Frakturen durch tägliche Einnahme von 700 bis 800 IU Vitamin-D belegte, brachte kein klares Bild über die Bedeutung der zusätzlichen Kalziumeinnahme. Um auch darüber eine exaktere Aussage machen zu können, legte Prof. Boonen mit seiner Arbeitsgruppe eine zweite Metaanalyse an. Er legte ihr vier randomisierte kontrollierte Studien mit über 9000 Patienten zugrunde und verglich die Risikoreduktionen unter alleiniger Vitamin-D-Therapie sowie unter der Kombination Vitamin/Kalzium.
Risikoreduktion erst durch Kombination
Aus den Daten ging hervor, dass Vitamin D dann die Frakturraten senkt, wenn Kalzium dazu kombiniert wird.
Um klinisch Effekte zu erzielen, sollte also die Kombination gewählt werden, zumal Professor Dr. Helmut Minne, Bad Pyrmont, am ECCEO-Kongress eine Studie vorstellte, die auch eine verminderte Sturzgefahr unter der Kombinationstherapie zeigte. Richtlinien empfehlen bereits die Kombination Vitamin D und Kalzium für die Osteoporosebehandlung, sodass die Referenten eigentlich in der Situation waren, offene Türen einrennen zu müssen. Professor Dr. Heinrich Resch, Universität Wien, liess jedoch mit seiner am Kongress vorgestellten Umfrage erkennen, dass zwischen Empfehlung und Realität teilsweise tiefe Schluchten klaffen.
Das Wissen übersetzt sich nicht in die Praxis
In Österreich schätzen immerhin 86 % der mit Osteoporosetherapie befassten Ärzte die Bedeutung der Supplementierung als „hoch“ oder „sehr hoch“ ein. 90 % der Patienten folgen der Empfehlung ihrer Ärzte insofern, als sie Vitamin und Mineralstoffe tatsächlich schlucken. Aber nur 20 % tun es wie empfohlen täglich – und das, obwohl in Felix Austria die Kosten hierfür voll erstattet werden. Und dann ist man nicht in jedem Land Europas so einsichtig: Im Vereinigten Königreich finden gerade einmal 28 % der Ärzte, dass die kombinierte Gabe Vitamin D/Kalzium für die Osteoporosetherapie wichtig sei, und nur jeder dritte Osteoporosepatient in Britannien nimmt diese Kombination ein. Hier bietet sich also noch breiter Raum für eine Verbesserung. UNo
Boonen S et al., Journal of Internal Medicine 2006; 259: 539–552
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