Frühe Eradikation senkt Magenkrebsrisiko
H. pylori-Infektion kann gefährlich werden
Anfang 2005 trafen sich die Mitglieder der European Helicobacter Study Group in Maastricht zu einer Konferenz. Das Ziel der Zusammenkunft war die Überarbeitung der Richtlinien zur Behandlung von Helicobacter-pylori-Infektionen mit besonderem Augenmerk auf das Magenkarzinom. Das Resultat ist der aktuell im Gut publizierte Maastricht III Consensus Report.
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Foto: iStockphoto
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Weltweit nimmt die Zahl der Magenkarzinome zu, besonders in den Entwicklungsländern. Die Mitglieder der European Helicobacter Study Group (EHSG) sehen das Bakterium Helicobacter (H.) pylori als einen der Risikofaktoren. Der Pathomechanismus läuft dabei über eine chronische Gastritis, deren Hauptursache H. pylori ist. Aus einer chronischen Gastritis entwickelt sich oft eine Atrophie der Magenschleimhaut gefolgt von Metaplasie und Dysplasie der Zellen. Von der Dysplasie zum Karzinom ist es dann nicht mehr weit.
Risiko erwiesen
Verschiedene Studien belegen, dass H. pylori ein Risikofaktor für Magenkrebs ist, ausser für das Kardiakarzinom. Untersuchungen aus Japan zeigten eine höhere Krebsrate bei Menschen mit einer H. pylori-Infektion verglichen mit Patienten, die sich bereits einer Eradikationsbehandlung unterzogen hatten.
In Nordeuropa entdeckte man eine verminderte Magenkrebsrate bei Patienten, deren Hüftgelenk ersetzt wurde. Die präoperative Gabe von hoch dosierten Antibiotika könnte diesen Effekt erklären. Offenbar merzte man bei den Hüftpatienten nebenbei die H. pylori-Kolonien aus.
Nicht jeder H. pylori ist gleich gefährlich
Nicht jeder Stamm aus der H. pylori-Familie ist gleich stark mit der Entwicklung von Magenkrebs assoziiert. Besonders gefährlich sind diejenigen Bakterien, die cagA („cytotoxin associated gene A“)-positiv sind. Diese Eigenschaft der H. pylori-Bakterien könnte man sich auch zunutze machen, um besonders gefährdete Patienten zu entdecken und schnell zu behandeln.
Einige Forscher vermuten, dass H. pylori bei einigen Patienten mit perniziöser Anämie und Typ-1-Diabetes eine autoimmun bedingte atrophische Gastritis verursacht. Im Gegensatz dazu spielt eine H. pylori-Besiedlung des Magens für die Entwicklung der häufigen autoimmun bedingten chronischen Gastritis kaum eine Rolle.
Eine frühe Behandlung hat Vorteile
Eine Eradikation der H. pylori-Besiedlung senkt das Magenkarzinomrisiko. Das bestätigen viele Studien, jedoch nicht alle. Uneins sind sich die Experten vor allem bei Patienten, die bereits präneoplastische Läsionen der Magenschleimhaut haben. Deshalb empfiehlt die EHSG eine Eradikation der H. pylori-Bakterien, bevor es zu präneoplastischen Veränderungen (Atrophie, intestinale Metaplasie) kommt. Die Standardbehandlung besteht aus einer Tripeltherapie mit einem Protonenpumpenhemmer (PPI), Clarithromycin und Amoxicillin oder Metronidazol (s. Kasten). ANL
Malfertheiner P et.al. (EHSG), Gut 2007; 56; 772–781
Therapieempfehlungen nach dem Maastricht III Consensus Report
- PPI-Clarithromycin-Amoxicillin oder -Metronidazol ist die Firstline-Therapie in einer Population mit einer Clarithromycin-Resistenz von < 15 bis 20 %.
In einer Population mit einer Metronidazol-Resistenz von < 40 % ist die Kombination PPI-Clarithromycin-Metronidazol vorzuziehen.
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Eine Viererkombination mit zusätzlichem Wismuth ist eine alternative Firstline-Therapie.
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Eine Wismuth-basierte Viererkombination ist die beste Secondline-Therapie. Ist sie nicht verfügbar, wird die Kombination PPI plus Amoxicillin oder Tetracyclin plus Metronidazol empfohlen.
Eradikations-Indikationen nach dem Maastricht III Consensus Report
- gastroduodenale Erkrankungen wie peptische Ulkuskrankheit und niedriggradige MALT-Lymphome
- atrophe Gastritis
- erstgradige Verwandte von Patienten mit Magenkarzinomen
- unklare Eisenmangelanämie
- Idiopatische Thrombozytopenie
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