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Mittwoch, 23.05.2012     Medical Tribune Group





Jeder dritte Mann quält sich damit ...

Moderne Optionen gegen vorzeitigen Samenerguss

Mit einer Prävalenz von 20 bis 30 % quer durch alle Altersstufen ist der vorzeitige Samenerguss die häufigste sexuelle Funktionsstörung bei Männern. Meist leiden die Betroffenen und ihre Partnerinnen im Verborgenen ...

Da der Sexualakt etwas sehr Individuelles ist, wird in den meisten Definitionen der vorzeitigen Ejakulation keine bestimmte Zeitspanne festgelegt, schreibt Professor Dr. John P. Mulhall vom New York Presbyterian Hospital, New York. Die amerikanischen Urologen sprechen in ihren Leitlinien von vorzeitiger Ejakulation, wenn der Samenerguss früher als gewünscht, nach minimaler Stimulation und noch vor oder direkt nach der Penetration erfolgt.

Unerfülltes Sexualleben

Zum Krankheitswert gehört natürlich der Leidensdruck bei einem oder beiden Partnern: Die Betroffenen sind unzufrieden mit ihrem Sexualleben, Selbst-bewusstsein und Partnerschaft leiden – nicht selten wird Erfüllung in neuen sexuellen Beziehungen gesucht. Während die vorzeitige Ejakulation früher überwiegend als psychisches Problem verstanden wurde, geht man heute davon aus, dass auch neurale Störungen vor allem im Bereich des Serotoninsystems eine Rolle spielen.

Antidepressivum
verzögert Ejakulation

Unterstützt wird diese Annahme durch die Beobachtung, dass Antidepressiva wie selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) zu einer deutlichen Verzögerung der Ejakulation führen. Diese Nebenwirkung lässt sich bei vorzeitiger Ejakulation therapeutisch nutzen, wie einige kleinere Studien mit Fluoxetin, Paroxetin und Sertralin zeigten. Um einen maximalen Effekt zu erzielen, müssen die Antidepressiva allerdings über mehrere Wochen kontinuierlich und dann zusätzlich bei Bedarf eingenommen werden. Unter Umständen treibt man auch den Teufel mit dem Beelzebub aus: Als Nebenwirkungen können Libidoverlust, Orgasmusschwierigkeiten und erektile Dysfunktion auftreten. Verbesserte Wirkung hat man bei zusätzlicher Gabe von Sildenafil (z.B. 50 mg plus 20 mg Paroxetin eine Stunde vor Geschlechtsverkehr) beobachtet.

Penis lokal betäuben?

Auch die Therapie mit topischen Lokalanästhetika bietet keine Ideallösung. Die Creme muss 20 bis 30 min vor dem geplanten Geschlechtsverkehr auf den Penis aufgetragen werden und unter einem Kondom einwirken. Spontane Sexualität ist somit kaum möglich. Wartet man zu lange, ist es möglicherweise auch mit der Erektion vorbei, und ein Taubheitsgefühl im Bereich der Genitalien kann bei beiden Partnern die Freude am Sex stark trüben. Nicht vergessen werden dürfen verhaltenstherapeutische und psychologische Ansätze. Zumindest als Zusatztherapie tragen sie zur Verbesserung des Sexuallebens bei. Insgesamt ist die Situation aber noch unbefriedigend, schreibt der Urologe. Gebraucht würde ein bei Bedarf einzunehmendes, schnell wirksames Medikament ohne negative Auswirkungen auf das Sexualleben, so Prof. Mulhall.     

MW

Mulhall JP, Urology 2006; 67: 9–16


 
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