Frühsommer-Meningoenzephalitis
Die Zeckensaison hat begonnen
In den vergangenen Jahren hat die Zahl der FSME-Erkrankungen beträchtlich zugenommen. Etwa 1 % der Fälle verlaufen tödlich. Grund genug also, entsprechende Vorkehrungen zu treffen, und das rechtzeitig, denn der Frühsommer ist nicht mehr weit. Erste Fälle von Zeckenstichen bei Joggern wurden dieses Jahr bereits gemeldet – die milden Wintertemperaturen haben auch bei Zecken schon Frühlingsgefühle geweckt…
Im Vergleich mit dem jährlichen Durchschnitt der Jahre 1999 bis 2004 haben die in der Schweiz gemeldeten Fallzahlen der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) 2005 um 100 % zugenommen. 2006 war ein weiterer Anstieg zu verzeichnen (um 27 % gegenüber 2005). Doch nicht nur die Häufigkeit der Erkrankungen hat zugenommen. Auch die Ausbreitung der betroffenen Regionen hat grössere Dimensionen erreicht, so dass letztes Jahr die Schweizer Epidemiekarte um diverse neue Gebiete erweitert werden musste.
Kleiner Stich, weitreichende Folgen
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Bildquelle: www.zecke.de
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Die Infektion mit dem FSME-Virus, das 0,5 bis 3 % der Zecken in hiesigen Endemiegebieten1 in sich tragen, verläuft in der Mehrheit der Fälle unbemerkt. Erkrankte entwickeln nach einer Inkubationszeit von zwei bis 14 Tagen oft grippeähnliche Symptome. Bei 5 bis 15 % dieser Patienten dehnt sich die Infektion nach weiteren vier bis sechs Tagen auf das ZNS aus und führt zu einer Meningitis oder Meningoenzephalitis (in je etwa 45 % der Fälle) oder einer Meningoenzephalomyelitis beziehungsweise -radikulitis (bei ca. 10 %). Oftmals leiden die Betroffenen noch wochen- oder monatelang an Restbeschwerden, oder es bleiben irreversible Schäden zurück. In 1 % der Fälle verläuft die Krankheit tödlich.
Wie kann man sich schützen?
Den wirksamsten Schutz bietet eine Impfung mit inaktivierten FSME-Viren. Da die FSME gehäuft im Frühsommer auftritt (sie kann aber auch während des ganzen Sommers vorkommen), empfiehlt sich eine Impfung in der kalten Jahreszeit.
In der Schweiz sind derzeit für Erwachsene und Kinder je zwei Impfstoffe mit inaktivierten FSME-Viren zugelassen. Die Grundimmunisierung erfordert drei Dosen, und zwar zum Zeitpunkt 0, nach 1 bis 3 Monaten und nach 9 bis 12 (Encepur®) resp. 5 bis 12 Monaten (FSME-Immun®). Mit beiden Impfstoffen kann bei Bedarf auch eine Schnellimpfung durchgeführt werden (Encepur®: Tag 0, Tag 7, Tag 21; FSME-Immun®: Tag 0, Tag 14, nach 5 bis 12 Monaten). Auffrischimpfungen wer-den gemäss den aktuellen Impfempfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) alle zehn Jahre empfohlen, im Falle einer Schnellimpfung mit Encepur® bereits nach 12 bis 18 Monaten.
Die Impfung wird gut vertragen. Bei ca. einem Drittel der Personen kommt es zu lokalen Reaktionen, bei ca. 10 bis 22 % wurden allgemeine Reaktionen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Myalgien, Nausea oder Arthralgien beobachtet. Schwerere anaphylaktische und neurologische Nebenwirkungen sind sehr selten. Da der Impfstoff auf Hühnereiweiss gezüchtet wird, ist bei Personen mit entsprechender Allergie Vorsicht geboten.
Wer soll geimpft werden?
Bis vor einem Jahr war die Impfung nur für Personen (ab sechs Jahren) empfohlen, die sich während der Zeckensaison häufig (an ≥14 Tagen/Monat) beruflich oder in ihrer Freizeit in Wäldern von Endemiegebieten aufhielten. In Anbetracht der starken Zunahme der FSME-Erkrankungen in den letzten Jahren haben die Eidgenössische Kommission für Impffragen und das BAG im März 2006 revidierte Impfempfehlungen herausgegeben: Darin wird die Impfung neu allen Personen (im Allgemeinen ab sechs Jahren), die in Endemiegebieten wohnen oder sich zeitweise dort aufhalten, empfohlen. Ziel ist eine möglichst breite Abdeckung aller Exponierter. Gemäss diesen Empfehlungen werden seit August 2006 die Impfkosten durch die obligatorische Grundversicherung vergütet, bei beruflicher Exposition werden diese vom Arbeitgeber getragen.
Borrelien nicht vergessen!
Neben einer Impfung empfehlen sich auch expositionsprophylaktische Massnahmen, insbesondere da die Schweizer Zecke bis unterhalb von 1200 (bis 1500) m.ü.M gleichzeitig auch mit Borrelia burgdorferi infiziert sein könnte. Dazu gehören das Tragen von gut abschliessender Kleidung, Vermeidung des Unterholzes (Zecken fallen nicht von Bäumen, sie tummeln sich mit Vorliebe in bis 1,5 m hohem Gebüsch, inbesondere an verstrauchten und vergrasten Waldrändern, -lichtungen und -wegen), Benutzen von Repellentien, Absuchen von Körper und Kleidung nach Exposition, möglichst rasche Entfernung von Zecken und Desinfektion der Einstichstelle. amg
1 Eine Karte mit den bekannten Endemiegebieten der Schweiz findet sich auf der Homepage des BAG unter www.bag.admin.ch/themen/medizin im Kapitel „Infektionskrankheiten“.
Epi Notiz, Bull BAG 2007; Nr. 4: 57–60
Bull BAG 2006; Nr. 13: 225–231
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