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Mittwoch, 23.05.2012     Medical Tribune Group





Vitamin-D-Mangel in der Schwangerschaft

Erhöhte Osteoporosegefahr beim Nachwuchs

Vitamin-D-Mangel kommt bei Schwangeren häufig vor. Jetzt schlägt eine aktuelle Studie Alarm, denn beim Nachwuchs muss langfristig mit erniedrigtem Knochenmineralgehalt und schliesslich mit osteoporotischen Frakturen gerechnet werden.

Für das Risiko osteoporotischer Frakturen spielen bereits ganz zu Beginn des Lebens intrauterine und frühe postnatale Einflüsse eine wichtige Rolle. Vitamin-D-Mangel der Mutter während der Schwangerschaft beeinträchtigt den Knochenmineralgehalt der Kinder über viele Jahre hin. Dies wies jetzt eine Longitudinalstudie bei neunjährigen, in Southampton, Grossbritannien, geborenen Kindern eindrücklich nach. Zu niedrige Vitamin-D-Spiegel in der Spätschwangerschaft waren signifikant mit reduziertem Mineralgehalt der LWS und des Gesamtskeletts der Sprösslinge korreliert. Die Messung des Knochenmineralgehalts erfolgte durch DXA (Dual Energy X-ray Absorptiometry).

Weniger Frakturen bei Kindern

Die Autoren nehmen an, dass Vitamin-D-Supplementierung in der Schwangerschaft, speziell in den Wintermonaten, das Risiko osteoporotischer Frakturen beim Nachwuchs im späteren Leben nachhaltig reduzieren kann. Die Studie ergab, dass sich abhängig von der Verwendung von Vitamin-D-Zusätzen und je nach geschätzter Ultraviolett-B-Strahlungsexposition sowohl der Vitamin-D-Blutspiegel der Schwangeren als auch die Knochenmasse der neunjährigen Kinder voraussagen lässt.

In die Studie wurden 198 Kinder mit einem Durchschnittsalter von 8,9 Jahren und ihre Mütter einbezogen. Der in der Spätschwangerschaft (durchschnittlich in der 34. Woche) gemessene Serumspiegel von 25(OH)-Vitamin-D war nur bei der Hälfte der werdenden Mütter (52%) ausreichend. Bei 31% wurden ungenügende Vitamin-D-Werte und bei 18% wurde ein ausgeprägter Vitamin-D-Mangel (unter 11µg/l) festgestellt. Bei Kindern von Müttern mit Vitamin-D-Mangel war der Gesamt-Knochenmineralgehalt im Alter von neun Jahren signifikant geringer (Mittelwert 1,04kg) verglichen mit dem Nachwuchs von Müttern mit gutem Vitamin-D-Status (1,16kg). Erniedrigte Kalziumkonzentrationen im venösen Nabelschnurblut waren mit tieferen Werten der Knochenmasse im Alter von neun Jahren korreliert.

Die geschätzte UV-B-Strahlungsexposition (Sonnenscheindauer im siebten Schwangerschaftsmonat) beeinflusste den Vitamin-D-Spiegel signifikant. Nur 15% der Schwangeren nahmen ein Vitamin-D-haltiges Ergänzungspräparat ein. Bei diesen Frauen lag der mediane Vitamin-D-Spiegel signifikant höher, und der Gesamt-Knochenmineralgehalt ihrer Kinder erreichte höhere Werte.

Plazentarer Ca-Transport behindert

Durch welchen Mechanismus der Vitamin-D-Status während der Schwangerschaft die Knochenmasse in der Kindheit beeinflusst, ist noch nicht geklärt. Die Autoren nehmen an, dass Vitamin-D-Mangel bei werdenden Müttern den Kalziumtransport in der Plazenta behindert. Während des intrauterinen Lebens erhält der Fetus etwa 30g Kalzium von der Mutter, 80% davon im letzten Schwangerschaftstrimenon. Bei Vitamin-D-Mangel wird anscheinend der Knochenmineralaufbau nicht nur intrauterin reduziert, sondern infolge fetaler Programmierung endokriner Vorgänge auch noch jahrelang während der Kindheit.

Alfred Lienhard
Javaid M et al., Lancet 2006; 367: 36-43.


 
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