Flaute im Bett wegen Bluthochdruck
Die schlechte Nachricht: Ungefähr jeder Siebte hat Probleme beim Sex. Die gute
Nachricht: Oft sind die Ursachen körperlicher Natur und können medikamentös
behandelt werden. Ein chronisch erhöhter Blutdruck beispielsweise kann zu
Erektionsproblemen oder Orgasmusschwierigkeiten führen. Ein offenes Gespräch
mit dem Arzt hilft, die richtige Therapie zu finden.
Geht es im Schlafzimmer heiss zu und her, spielen nicht nur die Gefühle verrückt. Auch
die Hormone sind im Ausnahmezustand und der Kreislauf kommt auf Touren. Puls und
Blutdruck sind um zehn bis zwanzig Prozent erhöht. Je nach Intensität und Dauer
kommt das Schäferstündchen einem lockeren Kreislauftraining gleich.
Ist der Blutdruck aber auch ausserhalb des Schlafzimmers erhöht, läuft hinter
verschlossenen Türen oft nicht mehr viel. Der Grund: Ein chronisch erhöhter Blutdruck
kann zur so genannten sexuellen Dysfunktion führen. Beim Mann ist damit vor allem
eine ungenügende Erektion für den Geschlechtsverkehr gemeint, aber auch eine
frühzeitige Ejakulation oder Lustlosigkeit. Letzteres beklagen auch betroffene Frauen,
neben Orgasmusschwierigkeiten und Schmerzen beim Sex. Laut einer Untersuchung
sind Frauen öfter als Männer von sexuellen Funktionsstörungen betroffen.
Bluthochdruck steigert das Risiko für sexuelle Probleme
Warum ein Überdruck im körpereigenen Leitungssystem nicht steif, sondern schlaff und
lustlos macht, erklären Fachleute folgendermassen: Bluthochdruck kann zu
Arteriosklerose führen, einer Verhärtung und Verengung der Blutgefässe. Die Folge:
Das Blut strömt nicht mehr in ausreichendem Mass in den Penis. Ähnlich verhält es sich
beim weiblichen Geschlecht. Die verminderte Durchblutung der Genitalien führt zu
geringerer Empfindsamkeit und weniger Feuchtigkeit.
Die sexuelle Dysfunktion ist kein seltenes Phänomen. In Studien beklagen rund 15
Prozent der 40- bis 59-jährigen Männer Erektionsprobleme. Bei den über 70-Jährigen sind es sogar mehr als 70 Prozent. Während Ärzte früher vor allem nach psychischen
Ursachen suchten, geht man heute vermehrt von körperlichen Gründen aus,
insbesondere bei älteren Personen. So steigert Bluthochdruck das Risiko für
Erektionsprobleme um das Zwei- bis Sechsfache. Eine Arteriosklerose ist in mehr als
der Hälfte der Fälle an der Ursache beteiligt, weshalb Erektionsprobleme ein möglicher
Hinweis für eine Arteriosklerose sein können. Die Arteriosklerose wiederum bedroht die
Herz-Kreislauf-Gesundheit.
Auch Medikamente können lustlos machen
Eine wirksame Blutdrucktherapie mit den entsprechenden Lebensstil-Veränderungen
kann sexuellen Funktionsstörungen vorbeugen. Die richtige Medikamentenwahl spielt
dabei aber eine zentrale Rolle, denn einige Blutdrucksenker können Libidoverlust und
Orgasmusprobleme verursachen und zur Flaute im Bett beitragen, anstatt sie zu
beheben. Einen ungünstigen Einfluss haben so genannte Betablocker, Diuretika,
Aldosteron-Antagonisten und Alphablocker. Angiotensin-Rezeptorblocker hingegen
wirken sowohl bei Männern als auch bei Frauen günstig. Weitere Blutdruckmedikamente
wie Kalzium-Antagonisten und ACE-Hemmer haben keinen erkennbaren Effekt auf das
Sexualleben.
Während das Schäferstündchen für Gesunde und Personen mit ausreichend
behandeltem Bluthochdruck absolut unproblematisch ist, erhöht sich bei einem
ungenügend behandelten Bluthochdruck das Risiko für Herzprobleme beim Sex
erheblich. Nur die Hälfte aller Bluthochdruck-Patienten wird laut dem Bundesamt für
Statistik ausreichend behandelt. Es bleibt also noch ein erhebliches Potential zur
Optimierung des Blutdrucks – und der Zufriedenheit in Schweizer Schlafzimmern.
Sexuelle Dysfunktion
Der Begriff bezeichnet das Unvermögen, eine sexuelle Beziehung so auszuleben, wie er
oder sie es möchte. Die sexuelle Dysfunktion ist auch bei gesunden Männern und
Frauen ein häufiges Problem und nimmt mit dem Alter zu. Die Ursachen sind,
insbesondere bei älteren Personen, meist körperlicher Natur und können entsprechend
behandelt werden. Zu den Risikofaktoren gehören beispielsweise Bluthochdruck oder
Diabetes.
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