Sonntag, 20. August 2017

Fokus Medizin

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06.07.2017
Von: Elisa Sophia Breuer
Artikel Nummer: 26234
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Tätowierte Patienten impfen: durch die Meerjungfrau einfach durchstechen

Sie wollen gerade die Spritze zur Impfung ansetzen, als sie feststellen, dass ein Tattoo die Deltoidregion Ihres Patienten ziert. Kein Grund zu zögern, meint ein Reisemediziner und hat neben diesem noch fünf weitere Tipps zur Vakzinierung parat.


Impfen scheint gar nicht so einfach zu sein – immer wieder treten unerwartete Fragen auf, so die Erfahrung von Professor Dr. Tomas Jelinek vom Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin. Selbst bei vermeintlichem Basiswissen zu Desinfektion und Aspiration geraten einige Kollegen ins Stocken. Für den Experten Grund genug, Einiges klarzustellen:

 

1. Eine Aspiration kann man sich sparen: Die Verwendung einer dünnen Nadel macht die Aspiration vor der Injektion überflüssig, erklärte der Experte. Auch wenn ein kleines Blutgefäss perforiert wird und dadurch grössere Mengen des Impfstoffs i. v. in den Kreislauf gelangen, sei das in der Regel kein Problem.

 

2. Desinfektion – nur ein Ritual: Vor der Injektion muss man eigentlich nicht desinfizieren. «Ich tue es. Aber schlicht und ergreifend, weil das ein Ritual ist, das die Patienten erwarten», sagte Prof. Jelinek. Sterile Impfstoffe hätten noch nie einen Impfabzess ausgelöst. Vielmehr kann das Desinfektionsmittel Schaden anrichten, indem es beispielsweise das Antigen zersetzt.

 

3. Tattoos sind kein Hindernis: Auch an Stellen mit Tätowierungen lässt sich problemlos ein Vakzin spritzen. «Manchmal hat man zwar Hemmungen, so eine Meerjungfrau anzupiksen, aber das geht natürlich», sagte der Referent mit einem Schmunzeln.

 

4. i. m. Injektion trotz Gerinnungshemmung: Patienten unter Faktor-Xa-Hemmern impft der Reisemediziner in­tramuskulär mit einer dünnen Nadel. Wer off-label die s. c. Variante wählt, riskiert im Vergleich mehr Nebenwirkungen bei Impfstoffen mit Aluminiumadjuvans.

 

5. Bei Bedarf auf Hühnereiweiss­allergie testen: Nur selten liegt eine klinisch relevante Hühnereiweissallergie vor. Bei begründetem Verdacht sollten Kollegen aber beispielsweise vor der Gelbfieber-Immunisierung allergologisch testen. Prof. Jelinek empfiehlt: 0,1 ml intradermal spritzen, zwei Stunden warten, danach die Injektionsstelle begutachten. Kam es zu keiner Lokalreaktion, bestellt der Experte den Patienten für den nächsten Tag erneut ein. Fehlen weiterhin Auffälligkeiten, kann die Impfung erfolgen.

 

6. Kombination von Impfstoffen erhöht die Immunantwort: Mehrere Immunisierungen, wie z. B. vor Reisen häufig der Fall, sollten am selben Tag verabreicht werden. Laut dem Referenten treten dann insgesamt weniger Nebenwirkungen auf und die Immunantwort verstärkt sich. Dieses Vorgehen kann auch bei bisherigen Non-Respondern Ergebnisse erzielen. Eine Injektion in denselben Arm – am besten im Abstand von etwa 2,5 cm – hat sich bewährt, um potenzielle Schmerzen lokal zu begrenzen.

 

 

123. Kongress der DGIM

 

 

Für umfassende Informationen rund ums Thema Impfen legte Prof. Jelinek Kollegen das Pink Book von den US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention ans Herz (in englischer Sprache): www.cdc.gov/vaccines/pubs/pinkbook/index.html

 

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