Mittwoch, 29. März 2017

Fokus Medizin

Anstatt höherer Leistungsfähigkeit hat das Energiegetränk eine Zwangspause bewirkt.

Foto: thinkstock

09.02.2017
Artikel Nummer: 26131
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Motivationsbrause mit Zusatz 
von ernsten Nebenwirkungen

Leberschaden bei Energy-Drink-Junkie


Gainesville – Ein 50-jähriger Bauarbeiter ruinierte sich mit mehreren Energy-Drinks pro Tag beinahe seine Leber. Grund dafür war wohl die Kombination des Muntermachers mit seiner bis dato unbekannten chronischen Hepatitis‑C‑Infektion (HCV).

Ein scheinbar gesunder Mann stellte sich mit einem ausgeprägten Ikterus, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen in der Klinik vor. Zunächst hatte er seine Symptome noch auf ein grippeähnliches Syndrom zurückgeführt. Als sich seine Haut gelb und sein Urin dunkel verfärbten, wurde der Bauarbeiter jedoch skeptisch, berichten Dr. Jennifer N. Harb und Kollegen vom University of Florida College in Gainesville.

Der Patient verneinte Leberprobleme und gab an, weder Drogen, Alkohol oder Tabak zu konsumieren noch Medikamente einzunehmen. Er berichtete lediglich, in den letzten drei Wochen täglich vier bis fünf Energy-Drinks zu sich genommen zu haben. Diese hätten ihm geholfen, seinen beschwerlichen Arbeitsalltag auf dem Bau zu bewältigen.

Rekordwerte für Vitamine und Transaminasen

Bei der körperlichen Untersuchung fanden sich ein skleraler Ikterus, eine allgemeine Gelbsucht und ein gespannter rechter Oberbauch, jedoch keine Zeichen einer chronischen Lebererkrankung wie Aszi­tes oder Spider naevi. Das Labor ergab stark erhöhte Transaminasen (AST 1802 U/l; ALT 1203 U/l), einen erheblichen Bilirubinanstieg (10 mg/dl) und ausserdem deutlich über der Norm liegende Werte für Vitamin­ B12 (> 2000 pg/ml) und Folsäure (> 20 ng/dl).

Antikörpertests deckten
chronische Hepatitis C auf

Im Ultraschall zeigten sich die Leber echogen ohne Zirrhose sowie eine verdickte Gallenblasenwand. Die Leberbiopsie lieferte als Erklärung hierfür eine akute Hepatitis mit Nekrosen und einem Gallenstau. Antikörpertests gaben aber schliesslich Hinweise auf eine eher chronische als akute HCV-Infektion.

Da keine Anzeichen für eine alkohol- oder medikamenteninduzierte Toxizität vorlagen, vermuteten die Ärzte den übermässigen Konsum der Energy-Drinks als Grund für den akuten Ausbruch der Infektion. Dafür sprachen auch die hohen Folsäure- und B12-Werte, da diese Stoffe in einem solchen Gebräu oft in hohem Masse enthalten sind.

Niacin in hohen Dosen hepatotoxisch

Drei Tage nach Absetzen der Muntermacher gingen die Beschwerden des Patienten zurück, nach sechs Tagen konnte er mit normalen Leberwerten entlassen werden. Von den in anregenden Getränken enthaltenen Substanzen ist nur Vitamin B3 (Niacin) für seine hepatotoxische Wirkung bekannt, so die Autoren. Allerdings rechnet man mit einem Anstieg der Transaminasen erst bei Dosen > 500 mg/d. Der Patient kam täglich nur auf etwa 160–200  mg/d. Möglicherweise spielten hier seine chronische HCV-Infektion oder weitere Inhaltsstoffe seiner Brause eine Rolle.

Die Kollegen empfehlen daher Patienten mit Leberschädigung einen zurückhaltenden Konsum niacinhaltiger Verbindungen. Weiterhin sollten Ärzte bei einer Hepatitis unklarer Ursache Patienten während der Anamnese insbesondere nach dem Konsum solcher Produkte fragen.

NV

Harb JN et al. BMJ Case Rep 2016; online first.     

 

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