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14.07.2017
Von: adb
Artikel Nummer: 26237
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Mehr Schaden als Nutzen: kein DHA für das ungeborene Kind

Die Einnahme von Docosahexaensäure während der Schwangerschaft hat keinerlei positive Effekte auf die Hirnentwicklung des Kindes. Im Gegenteil: Eltern haben es scheinbar mit ihren erhofften Wunderkindern in puncto Sozialverhalten sogar schwerer.


Der Trend, dem IQ seines ungeborenen Kindes auf die Sprünge zu helfen, hat in letzter Zeit zugenommen. Immer mehr Schwangere greifen deshalb zu DHA-Präparaten (Docosahexaensäure) und erhoffen sich von dieser Omega-3-Fettsäure positive Auswirkungen auf die Hirnentwicklung ihres Ungeborenen. Gut gemeint – bringt aber nichts, sagen Dr. Jacqueline Gould und ihre Kollegen vom Child Nutrition Research Centre in Adelaide.

Die Wissenschaftler untersuchten in einer randomisierten klinischen Studie insgesamt 543 Kinder (259 erhielten DHA, 284 ein Placebo) zu drei unterschiedlichen Zeitpunkten nach ihrer Geburt (18 Monate, 4 und 7 Jahre).

Um den IQ zu messen, verwendeten sie die zweite Ausgabe der Wechsler Abbreviated Scale of Intelligence und testeten zudem exekutive Funktionen (Gedächtnis, Scheu, geistige Flexibilität) sowie die Sprachentwicklung und die akademischen Fähigkeiten (Lesen, Buchstabieren, Rechnen). Ausserdem wurden die Eltern gebeten, einen standardisierten Fragebogen über das Verhalten und die exekutiven Funktionen ihres Kindes auszufüllen.

Das Testergebnis war eindeutig: Die beiden Gruppen unterschieden sich zu keinem der drei Messzeitpunkte weder hinsichtlich des Gesamt-IQ noch des Sprachverständnisses, der akademischen Fähigkeiten oder der exekutiven Funktionen signifikant voneinander. Allein das wahrnehmungsgebundene logische Denken war etwas höher in der DHA-Gruppe. Die Fragebogenauswertung zeigte, dass die Kinder der DHA- im Vergleich zur Placebogruppe nach vier bzw. sieben Jahren mehr Verhaltensprobleme und mehr exekutive Dysfunktionen aufwiesen.

 

Gould JF et al. JAMA 2017; 317: online first.

 

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