Donnerstag, 23. Februar 2017

Fokus Medizin

AIDS-Todesfälle praktisch auf null - an Neuerkrankung nur wenig gedacht.

04.11.2016
Von: Petra Genetzky, Foto: fotolia
Artikel Nummer: 26013
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Ist die Gefahr der HIV-Infektion gebannt?

An AIDS stirbt hierzulande kaum mehr jemand. Gelingt es, die HIV-Infektion frühzeitig zu diagnostizieren und die Therapie einzuleiten, haben die Betroffenen die gleiche Lebenserwartung wie HIV-negative Personen.


Mitte der 1990er-Jahre kam es mit der antiretroviralen Therapie (ART) zu einer dramatischen Abnahme der AIDS-Fälle. Heute sind die mit AIDS assoziierten Todesfälle praktisch auf null zurückgegangen, erklärte Dr. Dominique Braun, Universitätsklinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene, Zürich. Jedes Jahr infizieren sich aber Personen neu mit dem HI-Virus – 50 % dieser Neuinfektionen betreffen Männer, die Sex mit Männern haben (MSM). Sie stellen die Hochrisikogruppe für HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten dar. Und in dieser Gruppe nimmt die Infektionsrate eher zu.

 

In der Sekundärprävention 
ist der Hausarzt gefragt

Hier kommt der Hausarzt zum Zug. "Fragen Sie nach dem Sexualleben und dem Risikoverhalten ihrer Patienten, veranlassen Sie einen HIV-Test und Abklärungen auf andere sexuell übertragbare Infektionskrankheiten, wenn ihr Patient über sexuelle Risikosituationen berichtet", forderte Dr. Braun.

In der Schweiz erfolgen bis zu 50 % der Übertragungen durch Personen mit frischer HIV-Infektion, also durch solche, die sich innerhalb des letzten Jahres angesteckt haben. Beträgt die Viruslast < 1000 Kopien/ml, ist die Wahrscheinlichkeit für eine Transmission gering. Ist unter der antiretroviralen Therapie keine Viruslast im Blut nachweisbar, geht man davon aus, dass das HI-Virus über Sexualkontakte nicht weitergegeben wird.

HIV-positive Menschen können somit in einer geschlossenen Partnerschaft ungeschützten Sex haben – vorausgesetzt, ihre Viruslast liegt bei konsequenter Medikamenteneinnahme seit mindestens sechs Monaten unter der Nachweisgrenze, der Patient wird regelmäßig ärztlich kontrolliert und es bestehen keine anderen sexuell übertragbaren Infektionen, so der Experte. "Ein klassisches akutes retrovirales Syndrom entwickeln etwa zwei Drittel der Infizierten", erklärte Dr. Braun.

Unspezifische Symptome wie Diarrhö, Nachtschweiß, Myalgien, Husten oder Fatigue geben einen Anhaltspunkt, dass das Syndrom vorliegt. Allerdings wird nur in 40 % der Fälle beim initialen Arztkontakt an eine HIV-Infektion gedacht. Die wichtigste Differenzialdiagnose ist die Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus, die sich weder klinisch noch je nach Zeitpunkt labordiagnostisch von einer HIV-Infek­tion unterscheiden lässt. Weiter muss man an eine Cytomegalie-Virus-Infektion, eine akute Hepatitis oder Toxoplasmose denken.

HIV-Kranke auch zum 
Rauchstopp motivieren

Die antiretrovirale Therapie sollte möglichst früh begonnen werden – ungeachtet der CD4+-Zellzahl. Diese korreliert zwar gut mit Outcome-Parametern: Je tiefer sie liegt, desto wahrscheinlicher ist das Auftreten von opportunistischen Infektionen oder Tod. Die HIV-Infektion führt jedoch zu einem chronischen Entzündungszustand, der sich negativ auf andere Organe, vor allem Nieren und Herz, auswirkt. Mit einer frühen antiretroviralen Therpaie (ART) lassen sich die chronische Inflammation sowie die kardiovaskuläre und auch die Krebsmortalität reduzieren.

Patienten sollten zudem zum Rauchstopp motiviert werden. Da die Patienten immer älter werden und damit auch Komorbiditäten und Komedikationen zunehmen, ist die Interaktionsgefahr zu bedenken. Die Website bietet zu diesem Thema nützliche Informationen. Die Lebenserwartung der Patienten ist bei einer frühen und konsequent befolgten Therapie ohne nachweisbare Viruslast normal.


Quelle: 30. Mediweek

 

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