Mittwoch, 28. Juni 2017

Fokus Medizin

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18.04.2017
Von: bk
Artikel Nummer: 26174
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Im Schulsport als Letzter gewählt, später chronisch krank

Kinder und Jugendliche, die lange gemobbt wurden, entwickeln als Erwachsene oft psychiatrische Störungen. Chronischer Stress erhöht zudem Entzündungswerte und triggert möglicherweise die Entwicklung kardiovaskulärer und metabolischer Erkrankungen. Eine rechtzeitige Intervention kann das verhindern.


Ständige Hänseleien und Mobbing durch Gleichaltrige bedeuten für das Opfer eine chronische psychische Belastung verbunden mit diversen Stressreaktionen. Typische Beschwerden sind Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Bauchschmerzen und Abgeschlagenheit. Bei wiederkehrenden und unerklärlichen Symptomen sollte der Arzt hellhörig werden und das Kind nach Mobbing fragen, fordert ein mexikanisch-US-amerikanisches Autorenteam in seiner Meta­analyse. Das sogenannte Bullying ist nicht harmlos und kann auch langfristig Spuren beim Opfer hinterlassen. Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen berichten nicht selten über Schikanen während ihrer Schulzeit. Vermutlich besteht hier ein Circulus vitiosus: In Longitudinalstudien erwiesen sich Störungen bei Verhalten und Motorik, der sozio­ökonomische Status und familiäre Probleme in der frühen Kindheit als wichtige Risikofaktoren für Mobbing in der Schulzeit.

 

Psychoterror befeuert Entzündungsprozesse

 

Das sind aber auch Faktoren, die für spätere psychische Erkrankungen prädestinieren, erklären die Wissenschaftler um Dr. Pablo Patricio­ Zarate-­Garza. Permanentes Mobbing von Kindern ist in vielen Fällen ein entscheidender Faktor, der psychiatrische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Suizidgedanken ausbrechen lässt, so das Ergebnis einer prospektiven Zwillingsstudie. Bisher noch wenig beachtet: Chronischer Stress durch Bullying hat auch langfristige somatische Folgen – insbesondere bei neuroendokrinen, inflammatorischen und metabolischen Prozessen. So ist bei den Opfern im späteren Leben oftmals der Spiegel des C-reaktiven Proteins erhöht, unabhängig von konfundierenden Faktoren wie z. B. dem BMI. Die chronische, durch Mobbing hervorgerufene Stress­antwort hat also offensichtlich eigenständige proinflammatorische Effekte, schlussfolgern die Forscher. Weibliche Betroffene wiesen zudem häufiger ein erhöhtes Risiko für Adipositas auf als Kontrollprobandinnen.

Zumindest theoretisch sind sowohl metabolische als auch kardiovaskuläre Erkrankungen als Folge des Bullying denkbar – was aber noch in prospektiven Studien überprüft werden müsste. Die Autoren empfehlen, routinemässig Kinder und Jugendliche auf Mobbing anzusprechen, um potenzielle Risiken für die Entwicklung von physischen und psychischen Erkrankungen zu senken.

 

 

Zarate-Garza PP et al. Harvard Rev Psychiat 2017; 25: 89–95.

 

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