Mittwoch, 29. März 2017

Fokus Medizin

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10.03.2017
Von: Dr. Anna-Lena Krause
Artikel Nummer: 26153
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Bei jedem zehnten Medizinstudenten besteht Suizidgefahr!

Unter Medizinstudenten sind Depressionen nicht selten, doch nur selten suchen sich die Betroffenen Hilfe. Dies wirkt sich auch auf das weitere Berufsleben aus. Höchste Zeit darüber nachzudenken, was sich im Medizinstudium ändern muss.


Um die psychische Gesundheit zukünftiger Ärzte steht es schlecht. Wie schlecht – das wurde in einem systematischen Review mit insgesamt 122 356 Medizinstudenten aus aller Welt untersucht.1 27,2 % des Gesamtkollektivs litten an Depressionen oder depressiven Symptomen. 11,1 % dachten sogar darüber nach, sich das Leben zu nehmen. Nur 15,7 % der Betroffenen holten sich psychia­trische Hilfe. Die depressiven Symptome verstärkten sich zu Beginn des Studiums im Mittel um 13,5 %. Bis zum Abschluss änderte sich die Prävalenz kaum.

 

Bei den Assistenzärzten sieht es nicht besser aus

 

Die Analyse knüpft an eine weitere Untersuchung an, nach der 28,8 % der Assistenzärzte unter Depressionen leiden. Dies zeigt, dass sich psychische Probleme im Studium auch auf das spätere Berufsleben auswirken, so die Autoren. Was genau die Studenten seelisch belastet, sei bisher nicht ausreichend untersucht worden, so die Forscher. Sie vermuten aber, dass vor allem Konkurrenzdenken dahintersteckt. In diesem Zusammenhang empfehlen sie, Prüfungsergebnisse nicht als Ranking auszuhängen, sondern nur anzugeben, wer bestanden hat und wer nicht. Professor Dr. Stuart J. Slavin, stellvertretender Dekan an der Medizinischen Fakultät der Universität Saint Louis, hält die verbreitete Depressivität für ein medizinkulturelles und umweltgesundheitliches Problem. Er kritisiert die weit verbreitete Haltung, dass eine härtere Ausbildung einen besseren Lerneffekt bewirkt. Studien sprächen hingegen dafür, dass bereits eine geringfügig reduzierte Studienzeit pro Tag sowohl die psychische Gesundheit als auch die Leistung verbessere. Zudem gelte, dass stressanfällige Studenten ohnehin nicht für den Arztberuf geeignet seien.

 

An präventive Massnahmen denkt kaum jemand

 

Darüber hinaus beklagt er, dass seelische Leiden nicht so ernst genommen werden wie physische und mehr Wert auf Therapien als auf Prävention gelegt wird. Als weitere Pro­ble­me nennt er, dass die Universitäten zu wenige Mittel für studentische Angelegenheiten aufbringen und sich nicht für die mentale Gesundheit der Studenten verantwortlich fühlen. Für Prof. Slavin liegt der Kern des Problems nicht bei den Studenten selbst, sondern in der Lern­umgebung. Diese müsse unbedingt verbessert werden.2

 

 

1. Rotenstein LS et al. JAMA 2016; 316: 2214–2236.
2. Slavin SJ; a. a. O.: 2195–2196.

 

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