Mittwoch, 24. Mai 2017

Fokus Medizin

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08.03.2017
Von: Dr. Barbara Kreutzkamp
Artikel Nummer: 26151
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Ärztinnen stechen Ärzte beim Therapieerfolg aus

Ärztinnen behandeln Patienten besser als ihre männlichen Kollegen. Dieser Unterschied macht sich mittlerweile sogar in harten klinischen Endpunkten bemerkbar.


Von Frauen therapierte ältere Patienten haben eine geringere 30-Tage-Mortalität, so das Ergebnis einer grossen US-Studie. Ärztinnen orientieren sich in der Behandlung stärker an Leitlinien als ihre männlichen Kollegen. Auch bei der psychosozialen Kompetenz im Gespräch mit Patienten und bei der Lösung komplexer Therapiesituationen schneiden sie oftmals besser ab als ihre männlichen Kollegen. Dass sich diese Unterschiede in der Behandlungsqualität niederschlagen, ist in Studien dokumentiert.

Nicht zuletzt aufgrund der zunehmenden Zahl von Ärztinnen machen sich jene Differenzen jetzt auch statistisch im Therapieergebnis von grossen Patientenkollektiven bemerkbar, schreiben Public-Health-Forscher von der Harvard-Universität in Boston. In ihrer Querschnittstudie hatten sie die 30-Tage-Mortalität und die stationäre Wiederaufnahmerate von durchschnittlich 80 Jahre alten Patienten in Abhängigkeit vom Geschlecht des behandelnden Arztes untersucht.

 

Männer sollten sich an Frauen orientieren

 

Basis der Studie bildeten die Medicare-Daten von rund 1,6 Millionen repräsentativ ausgewählten und allgemeininternistisch behandelten Krankenhauspatienten über 65 Jahre. Die Ergebnisse wurden auf Patienten- und Arzt-Charakteristika sowie klinikspezifische Parameter adjustiert. Dabei ergab sich eine für die Patienten von Ärztinnen signifikant geringere 30-Tage-Mortalität (11,07 % vs. 11,49 %). Auch die Wiedereinweisungsrate innerhalb von 30 Tagen lag bei den von Ärztinnen betreuten Patienten mit 15,02 % vs. 15,57 % signifikant niedriger als in dem von männlichen Ärzten im gleichen Krankenhaus versorgten Kollektiv. Woran und wie schwer die Patienten erkrankt waren, spielte bei dem Ergebnis keine Rolle.

Der Unterscheid sei zwar moderat, aber relevant, schreiben die Autoren. Die in der Studie errechnete Effektgrösse für die Verbesserung des Überlebens ergebe sich beispielsweise auch bei neu für die Behandlung zugelassenen Medikamenten. Bezogen auf die 10 Millionen jährlich hospitalisierten Medicare-Patienten käme es zu rund 32 000 weniger Todesfällen, wenn die männlichen Ärzte genauso gut behandeln würden wie die weiblichen.

 

Tsugawa Y et al. JAMA Intern Med 2016; online first.

 

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