Samstag, 01. November 2014

Fokus Medizin

Vorhofflimmern: Sport kann Myokardfibrose fördern.

Vorhofflimmern: Sport kann Myokardfibrose fördern.

12.11.2012
Von: Dr. Carola Gessner, Foto: thinkstock
Artikel Nummer: 20207

Bei Vorhofflimmern Sport verbieten?

Fitnessstudio, Ausdauertraining, ja sogar Marathon: Ältere Menschen werden immer aktiver. Doch was raten Sie Patienten mit Vorhofflimmern?


Sichtet man die aktuellen Leitlinien der European Society of Cardiology (ESC), findet sich nicht viel Hilfreiches zum Thema „Vorhofflimmern und Sport“. Bei der „Pill-in-the-Pocket-Strategie“ solle, solange die Arrhythmie persistiert, lieber eine Sportpause empfohlen werden, heisst es. Wenn angezeigt, sei zur Ablationstherapie zu raten. Und: Kein Sport bei Schwindelsymptomen!


All dies basiere auf eher niedrigen Evidenzleveln und biete keine rechte Entscheidungsbasis für die Praxis, meinte Professor Dr. 
Lluis Mont von der Universitätsklinik Barcelona beim ESC-Kongress. Was weiss man über mögliche Zusammenhänge zwischen Vorhofflimmern (VHF) und Sport? Gibt es Evidenz dafür, dass ein Ausdauersport-Verbot die Ergebnisse antiarrhythmischer Behandlung verbessert?


Pathophysiologisch scheint eine Myokardfibrose beim VHF eine Rolle zu spielen, so der Experte. Neben der reparativen Fibrose (bei Zelluntergang) gibt es auch eine reaktive (bei Stretching und Überlastung). Das wiederum spräche für eine Limitierung der körperlichen Aktivität. Anderen Befunden zufolge ist es die permanente Arrhythmie selbst, auf die das Myokard mit vermehrter Kollagensynthese reagiert.

Vorhofflimmern: drei bis vier Wochen Pause 
nach der Ablation

Im Tierversuch reagierten Ratten, die man zwei Wochen lang einem Laufbandtraining steigender Intensität unterzog und sie anschliessend 16 Wochen eine Stunde täglich trainieren liess, mit signifikanter Fibrose. In der Übungsgruppe konnte ein Vorhofflimmern leichter ausgelöst werden als bei untätigen Ratten. Nach dem Ende des Trainings waren bei den Laufbandratten die Fibrosemarker relativ rasch rückläufig.


Also scheint etwas dran zu sein am Zusammenhang zwischen Ausdauersport und Vorhofflimmern. Kann man sporthungrigen älteren Patienten durch eine Ablationstherapie helfen? In einer kleinen Studie wurden 18 von 20 Wettkampfsportler (durchschnittlich 44 Jahre alt) auf diese Weise die aktivitätsbehindernden Symptome los. Bei zwei Teilnehmern blieben lediglich kurze Flimmerphasen übrig, und alle konnten ihre sportliche Aktivität wieder aufnehmen.


Das Fazit von Prof. Mont: Sportrestriktion mag bei Vorhofflimmern ratsam sein – nicht zuletzt wegen der potenziellen Fibrose-Reversibilität. Die Ablationstherapie wirkt bei Athleten ebensogut wie bei Nichtathleten. „Und wie beraten Sie die Patienten nun in der Praxis? Wie lange sollen Betroffene z.B. nach einer Ablation pausieren?“ wollte ein Kollege aus dem Auditorium wissen. Der Experte riet zu drei bis vier Wochen Karenz nach dem Eingriff, um die Narbenbildung abzuwarten.

Risiken von Sport bei Arrhytmie auf keinen 
Fall verschweigen

Will jemand trotz Arrhythmie nicht auf sein Fitnessprogramm verzichten, befürwortet Prof. Mont verminderte Aktivität – z.B. Tennis statt Marathon. Das hören die Patienten aber in der Regel nicht gern, so die Erfahrung. Aufklärung sei dann wichtig, z.B.: „Wenn Ihnen das Betreiben von Ausdauersport Freude macht, dann tun Sie es, aber Sie müssen wissen, dass es eine gewisse Gefahr birgt.“ Doch was, fragte der Kollege sein Auditorium, ist im Leben schon ungefährlich? Die einen steigen zum Spass auf hohe Berge, die anderen joggen mit Vorhofflimmern.

 

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