Sonntag, 20. August 2017

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09.05.2017
Von: Dr. Katharina Arnheim
Artikel Nummer: 26186
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Deutlicher Fortschritt in der Therapie der Hämophilie B

Neues FIX-Präparat mit verlängerter Effektivität erlaubt 14-tägiges Substitutionsintervall bei Talspiegeln > 5 %


BASEL – Für die Behandlung der Hämophilie B steht mit dem Faktor-IX(FIX)-Albumin-Fusionsprotein Albutrepenonacog alfa seit Mai 2016 ein Faktorpräparat mit einer auf über 100 Stunden verlängerten HWZ zur Verfügung. 


Auch AUC, Clearance und Recovery von Albutrepenonacog alfa ­(IDELVION®) sind gegenüber herkömmlichen Präparaten rund fünffach verbessert, da das große Fusionsprotein länger im Blut bleibt, so Professor Dr. Andreas Tiede, Medizinische Hochschule Hannover. Aus dem Studienprogramm PROLONG-9FP stellte er eine Phase-III-Studie bei jugendlichen und erwachsenen PTPs vor. Sie wurden zwei Armen zugeteilt: In Arm 1 erhielten sie ini­tial eine wöchentliche Prophylaxe mit Albutrepenonacog alfa (35–50 I.E./kg), deren Intervall nach sechs Monaten je nach klinischem Bild auf zehn oder 14 Tage (75 I.E./kg) verlängert wurde.5 Arm 2 beinhaltete eine Bedarfstherapie über sechs Monate, an die sich eine Prophylaxe (35–50 I.E./kg) anschloss.

 

Gute Sicherheit, keine Inhibitoren

In Arm 1 erwiesen sich alle drei Prophylaxeregime mit einer AsBR von median 0 als sehr effektiv. Die FIX-Talspiegel lagen nach Injektion von 40 bzw. 75  I.E./kg alle sieben bzw. alle 14 Tage anhaltend > 5 %. In Arm 2 konnte die mediane jährliche Blutungsrate durch den Wechsel von der Bedarfstherapie auf die wöchentliche Prophylaxe um 90 %, die mediane AsBR um 100 % gesenkt werden. Blutungen ließen sich mit dem neuen FIX-Präparat in gut 98,6  % der Fälle durch ein bis zwei Injektionen erfolgreich kontrollieren. Die Prophylaxe bei elektiven Eingriffen verlief ebenfalls unpro­blematisch; die Hämostase wurde meist als gut bis ausgezeichnet bewertet, wobei Faktorverbrauch und Injektionsfrequenz niedriger als erwartet waren. Auch bei Sicherheit und Verträglichkeit gab es keine unerwünschten Signale; Inhibitoren traten nicht auf.

Weniger Blutungen bei geringerem Faktorverbrauch

In der Langzeitprophylaxe wurden besonders hohe FIX-Talspiegel von durchschnittlich 20 % nach sieben Tagen mit 40 I.E./kg und 12,4 % nach 14 Tagen mit 75 I.E./kg beobachtet. Bei Kindern erleichtert die Verlängerung der Spritzabstände das Management daher erheblich, konstatierte Dr. Wolf Hassenpflug, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Er hält es für sinnvoll, Patienten in der Praxis auf ein siebentägiges Regime mit 35–50 I.E./kg einzustellen und die Injektionsintervalle später bei Blutungsfreiheit und ausreichendem Talspiegel auf zehn oder 14 Tage auszudehnen. 

Er stellte den Fall eines 16-Jährigen mit schwerer Hämophilie B vor, der nach Umstellung auf das neue FIX-Präparat nur noch alle zwei Wochen spritzen musste. Zudem traten keine Gelenkblutungen mehr auf; der Faktorverbrauch sank um zwei Drittel. Trotz verlängertem Injektionsintervall stieg der FIX-Talspiegel von 4 % mit dem Vorpräparat auf 10 % mit Albutrepenonacog alfa an. 



Fazit für die Praxis
  • rVIII-SingleChain hat sich in Studien und im Praxisalltag als sicher und effektiv in der Prophylaxe, Bedarfstherapie und beim perioperativen Management von Patienten mit Hämophilie A erwiesen. Dank des überzeugenden pharmakokinetischen Profils kann das Präparat individuell dosiert werden; vielfach gelingt eine Reduktion der Injektionsfrequenz. 

  • Das FIX-Präparat Albutrepenonacog alfa ermöglicht es, die Substitutionsintervalle je nach Faktorverbrauch, Spontanblutungen und Patientenwunsch auszudehnen und Injektionen einzusparen. So lassen sich die Injektionsintervalle im Idealfall auf alle 14 Tage mit Talspiegeln von deutlich über 5% erweitern.
 

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